„Wir sollten wieder mehr aufpassen aufeinander, Haltung zeigen aber Wörter bedächtiger wählen“ Marlene Gölz, Schriftstellerin_ Linz 20.11.2021

Liebe Marlene, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Während der Schulzeit stehe ich um 6 Uhr auf, wecke die Kinder, mache Frühstück. Wenn alle weg sind, beginnt mein Arbeitstag. Meist zu Hause, ein, zwei Mal pro Woche bin ich im StifterHaus. Jeder Tag ist etwas anders. Stehen Lektorate an, müssen diese oft unter großem Zeitdruck erledigt werden. Aber wenn möglich, nutze ich die kinderfreie Zeit um zu schreiben. Nachmittags ist ein Kommen und Gehen, es ist immer viel los bei uns. Abends, wenn alle schlafen, arbeite ich oft noch. Ich mag den Trubel, aber auch die Stille.

Marlene Gölz, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Das Wichtigste, immer, sind die Begegnungen. Dass man sich einander zuwendet.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Politisch sehe ich das Streben nach globaler Gerechtigkeit als allergrößten Auftrag. Als Einzelpersonen dürfen wir uns nicht ohnmächtig fühlen, müssen das Grundgefühl von Vertrauen zurückgewinnen, ins eigene Tun, aber auch in die Menschen, und ins Leben. Darin seh ich auch meinen Erziehungsauftrag als Mutter.

Alle sind dünnhäutiger geworden, im Gegenzug wird mit immer härteren Bandagen gekämpft. Wir sollten wieder mehr aufpassen aufeinander, Haltung zeigen aber Wörter bedächtiger wählen, versuchen Dinge differenziert zu betrachten, und damit klarkommen, dass es nicht immer gleich Antworten gibt.

An unseren Panzern kratzen, diese aufbrechen, das kann Kunst – Musik, Literatur, … auf unterschiedlichste Art. „Some of my best friends are songs“, hat kürzlich jemand gepostet. So empfinde ich es auch. Songs, books, … Es muss reingehen, dann ist man aufgehoben, mit allen Sorgen, Ängsten, der ganzen Wut über die Welt und der ganzen Freude. Das ist wunderschön, das tut weh und das ist nicht kontrollierbar. Das Gegenteil von Ideologie und PR.

Was liest Du derzeit?

Aktuell bringt mich Lesen zu sehr aus meinem eigenen Schreiben. Es warten aber ein paar Bücher, u. a. ein Erzählband von Rumena Bužarovska. Ansonsten ist es wie bei der Musik, es begleiten mich seit Jahren die immer gleichen Namen.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„so nebenbei geschieht das ausserordentliche“
(Elfriede Gerstl)

Marlene Gölz, Schriftstellerin

Vielen Dank für das Interview liebe Marlene, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Marlene Gölz_Schriftstellerin

Foto_Reinhard Winkler

12.9.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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