„Schreits nicht herum, schenkts alles her, scheißts euch nicht an“ Raphael Sas, Musiker _ Wien 19.11.2021

Lieber Raphael, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Immer anders. Über sowas wie Alltag kann ich mich derzeit nicht beschweren. Als im Frühling 2021 Veranstaltungen wieder möglich wurden, gings von Null auf Hundert in die Konzertsaison hinein. MIt „Der Nino Aus Wien“ war ich im Sommer und Herbst viel unterwegs. Nach eineinhalb Jahren Stillstand endlich wieder durch die Gegend fahren und spielen! Meine Lieblingsbeschäftigung, anstrengend und schön. Im August hab ich in Wien außerdem mein neues Soloalbum aufgenommen, mit eigenen Songs, die in den letzten einzwei Jahren entstanden sind. Eine größere Produktion, an der viele tolle Leute beteiligt sind. Das Ding soll im Frühjahr 2022 erscheinen. Und bei der Band „Kahlenberg“ bin ich spontan als Gitarrist eingestiegen, das kam recht überraschend. Es gab und gibt also plötzlich viel zu tun.

Raphael Sas, Musiker

Konzerte wird es jetzt im Winter weniger geben, dafür starten bald die Proben für ein neues Nino-Album, das wir dann Anfang 2022 aufnehmen werden. Und der Release meines eigenen Albums will auch gut vorbereitet sein. Alle paar Tage hab ich außerdem Sprecherdienste bei Ö1, man kann mich dann als Sprecher buchen und ich hab von früh bis spät Studiotermine im Funkhaus. Hin und wieder moderiere ich dort auch Musiksendungen. Wenn zwischendurch mal nichts im Kalender steht, versuche ich, produktiv zu sein. Schreiben, Gitarrespielen, Singen, Nachdenken. Ich bin aber auch gern faul, häng nur so rum und bin froh, dass mal eine Ruhe ist von dem ganzen Zirkus.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ganz profan gesprochen: die Impfung. Außerdem: Solidarität. Und: das Betonen unserer weltanschaulichen Gemeinsamkeiten. Auch für zwei Menschen mit komplett unterschiedlichen Weltbildern gibt es immer irgendetwas, worauf sie sich einigen können. Wenn sie denn wollen und sich ein bisschen anstrengen. Einfach weil sie beide Menschen sind. Das ist der Punkt, an dem Empathie entsteht. Und von hier aus kann man weiterreden, streiten und den Konsens suchen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Kunst ist sehr wichtig, immer. Ohne Kunst wären wir arm dran. Sie muss sich unbedingt frei entfalten dürfen. Die Kunst kommentiert und komplettiert, spiegelt und reflektiert die stets dynamischen Prozesse des Umfelds, in dem sie stattfindet. Sie verdichtet Komplexes, schärft unseren Blick, verfeinert unsere Wahrnehmung, beseelt uns, eröffnet Perspektiven und nimmt Entwicklungen manchmal auch vorweg. Und sie ist ein Ventil, ohne dem das Leben unerträglich wäre. Vielleicht ist das eine naiv romantische Vorstellung, aber ich glaube durchaus, dass Kunst etwas bewegen kann, einfach weil sie Menschen bewegt. Sie ist so viel mehr als schmückendes Beiwerk unseres gesellschaftlichen Alltags, sie ist integraler Bestandteil unseres Menschseins. Nicht wegzudenken.

Was liest Du derzeit?

„Das Evangelium der Aale“ von Patrik Svensson. „Born to run“, die Autobiografie von Bruce Springsteen. „Einladung zur Anstrengung“ von Lukas Meschik.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Schreits nicht herum, schenkts alles her, scheißts euch nicht an.

Vielen Dank für das Interview lieber Raphael, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Raphael Sas, Musiker

Foto_Carina Antl

10.11.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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