„Dass man nicht nur die Verantwortung für sich selbst, sondern auch oft für sein (fremdes) Gegenüber trägt. “ Julia Hoch, Schriftstellerin_Bochum 18.11.2021

Liebe Julia, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Wenn meine Kinder (11 und 9) morgens aus dem Haus sind, setze ich mich an den Schreibtisch und arbeite an meinem zweiten gegenwartsliterarischen Roman, am Literaturförderprojekt „Prosa:ist:innen“ (das ich zusammen mit Sabine Gelsing ins Leben gerufen habe), lektoriere fremde Texte, bereite Schreibkurse vor oder lerne für die FernUni Hagen (Studiengang: M. A. Neuere deutsche Literatur). Am Mittag bzw. frühen Nachmittag kümmere mich um Kinder, Hund und Haushalt, um ein paar Stunden später diesen Staffelstab an meinen Mann zu übergeben und bis zum Abend noch etwas weiterzuschreiben oder Online-Schreibkurse zu leiten. Oft ist auch am Wochenende noch einiges zu tun. Da mein Tag aber ohnehin von Literatur und Büchern durchzogen ist, ist das nicht tragisch. Ich bin eher dankbar dafür, dass ich so arbeiten darf.

Julia Hoch, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Sich darüber bewusst zu werden, dass man nicht nur die Verantwortung für sich selbst, sondern auch oft für sein (fremdes) Gegenüber trägt. Es gibt Dinge, die nur im Kollektiv funktionieren, und da muss man sich vielleicht auch mal einordnen. Wenn jeder dem anderen ein kleines bisschen mehr helfen und etwas mehr Wertschätzung gegenüber bringen würde, wäre die Welt um einiges schöner und das Leben für viele Menschen einfacher.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Literatur und Kunst im Allgemeinen sprechen Menschen auf speziellen emotionalen und intellektuellen Ebenen an, sie dringen in Bereiche vor, welche die Menschen bei sich vorher vielleicht noch gar nicht entdeckt hatten. Von daher halte ich Kunst für unglaublich wichtig, würde gerne jede Person darin bestärken, sich künstlerisch auszuleben (wenn gewünscht). Schade – eigentlich eher dramatisch ­– ist allerdings, dass Kunst gesellschaftlich gesehen unwichtig erscheint, besonders im letzten Jahr, als der Begriff der „Systemrelevanz“ in aller Munde war.

Was liest Du derzeit?

Ich lese grundsätzlich mehrere Bücher gleichzeitig, brauche immer unterschiedliche Impulse. Derzeit sind das: „Identitti“ von Mithu Sanyal, das Sachbuch „Frauenliteratur“ von Nicole Seifert, „Das Schloß“ von Franz Kafka, „Geister“ von Pia Lüddecke und „The Storyteller“ von Dave Grohl (auf Englisch).

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ich würde euch gerne ein kleines Zitat aus meinem Roman „LebensWende – Die Schwestern Brüggemann bleiben am Ball“ mitgeben, da es sich auf vielerlei Situationen anwenden lässt:

„Geschichten kommen nicht voran, wenn sich niemand bewegt.“

Vielen Dank für das Interview liebe Julia, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Julia Hoch, Schriftstellerin

https://www.juliahoch.de/

Foto_privat.

28.10.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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