„Kunst muss erlebbar, präsent und außerdem niederschwellig sein können“ Bettina Scheiflinger, Schriftstellerin _ Wien/Wil (Schweiz) _ 16.10.2021

Liebe Bettina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Geprägt von Gegensätzen: Zum Ende der Semesterferien versuche ich einerseits, meine Tage wieder mehr zu strukturieren, andererseits möchte ich die verbleibende Zeit noch auskosten und spontan sein.

Diese Ambivalenz passt ganz gut zu meiner aktuellen Hauptbeschäftigung, dem Hineinfinden in ein neues Textprojekt. Dazu muss ich in mir drin suchen, genauso wie die Außenwelt erleben und beobachten.

Meine Formel ist, den Vormittag zuhause mit Lesen und Schreiben verbringen, am Nachmittag raus gehen.

Bettina Scheiflinger, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Es war schon immer wichtig: aufeinander Acht geben, einander zuhören, bedeutsame Beziehungen leben, lesen.

Grundlegendes tritt wieder stärker in mein Bewusstsein.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Das Aufbrechen und die Bewegung des „sich konstant an Neues anpassen“ sind schon in Gange, beobachte ich. Wenn ich in mich und in meinen Freundeskreis schaue, ist da auch der Wunsch durch zu atmen und anzukommen in der neuen Normalität.

Kunst und Literatur sollen weiterhin herausschälen, was unsere Realitäten sind und sein können. Dafür muss Kunst erlebbar, präsent und außerdem niederschwellig sein können.

Was liest Du derzeit?

Gestern beendet: „Der Freund“ von Sigrid Nunez. Gerade begonnen: „Die Atemschaukel“ von Herta Müller. Danach: „Das Ereignis“ von Annie Ernaux.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Zitate fühlen sich für mich immer unvollständig an, immer denke ich dabei, dass doch das Ganze drumherum diese eine Passage erst zu dem macht, was so gewichtig daran ist.

Trotzdem drei Sätze aus Herta Müllers Atemschaukel, weil ich sie gerade eben mehrmals gelesen habe: „Das Richtige hat man nicht, man improvisiert. Das Falsche wird zum Notwendigen. Das Notwendige ist dann das einzig Richtige, nur weil man es hat.“

Vielen Dank für das Interview liebe Bettina, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Bettina Scheiflinger, Schriftstellerin

Foto © Tina Tomovic

30.9.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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