„Musik fängt wieder an interessanter zu werden“ David Poglin, Musiker _ Wien/Graz 13.10.2021

Lieber David, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Grundsätzlich wohl gleich wie bei jedem anderen Künstler. In meinem Fall wahrscheinlich etwas geregelter, weil ich eine gewisse Ordnung in meinem Leben brauche. Weil sonst fällt alles auseinander (lacht).

David Poglin, Musiker

Aufstehen meist zwischen 8h und 9.30h, das kommt darauf an, ob ich vorher ein Konzert hatte oder Studiotermine, anderes. Dann Kaffeemachen, Zähneputzen, Morgentoilette. Dann setze ich mich am frühen Vormittag in ein Cafè und erledige alle organisatorischen Sachen, das heißt, Anfragen beantworten bzw. Anfragen stellen, Informationen einholen über verschiedenste Projekte. Am frühen Nachmittag dann etwas Technik üben oder Songs auschecken, je nachdem, zwischendurch einen Kaffee machen.

Am Nachmittag fangen dann die Proben an. Da sind die meisten Musiker schon munter (lacht). Dann wird dann an Projekten gearbeitet wie derzeit mit Lisa Schmid, Musikerin, oder der Band Kitsch Royal.

Am Abend hängt es dann davon ab, ob es Studiotermine gibt. Mit Lisa Schmid derzeit abends und mit Kitsch Royal dann tagsüber. Manchmal gehen wir dann was trinken. Ich schaue auch, dass ich regelmäßig eigene musikalische Übungseinheiten, individuelle Vorbereitungen mache – an Songs arbeiten, verschiedenste Musikstücke anhören, die ich unbedingt hören oder auch spielen können möchte. Oder technische Sachen probieren, wo ich höre, wow, das ist cool.

Mein Tagesablauf hängt auch von den Wochentagen ab. Ich bin als Lehrer an zwei Musikschulen tätig und koordiniere da meine Musikschüler*innen. Montag, Dienstag bin ich an den Musikschulen tätig und da sind meist auch zusätzlich Projektproben. Am Mittwoch ist meist Studioarbeit in Wien, davor Probe. Donnerstag und Freitag ebenso. Am Freitagabend fahre ich dann meist nach Graz und habe am Abend, dem Wochenende mit anderen Bands Konzerte oder ich nütze den Proberaum, um mit Equipment zu experimentieren.

So sieht mein Tages-, eigentlich Wochenablauf aus und dieser ist in der Regel auch relativ gleich. Sicher gibt es da Ausreißer, aber eigentlich dreht sich alles um die Musik.

David Poglin und Musikpartnerin Lisa Schmid

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Das ist schwer zu beantworten und sicherlich individuell. Manche Menschen brauchen mehr Ruhe und Rückzug und andere müssen sich in den Tag/Abend stürzen, um im Kopf  sauber zu bleiben.

Ich persönlich bin ein Mensch, der Freunde und Lieblingsmenschen um sich hat und auch braucht. Diese Zeit des Miteinander, diese Art von quality time ist mir persönlich sehr wichtig.

Es ist immer, aber gerade auch in einer Pandemie wichtig, seinen Platz zu kennen und zu finden, an dem man glücklich sein kann. Ich denke, viele haben jetzt ihr prototypisches Verhalten dahingehend hinterfragt – was macht mich glücklich?

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Kunst und Musik haben immer eine kritische gesellschaftliche Bedeutung. Das wurde, meiner Meinung nach, in den letzten Jahren etwas abgeblockt, weil das Musikgeschäft auch eine Maschinerie geworden ist. Da hat es geheißen, alle drei Monate muss eine Single rauskommen, ein Album einmal im Jahr, damit man dem Algorithmus von Spotify und anderen gerecht wird und das Jahr nicht verloren geht.

Aber trotzdem glaube ich, dass Musik jetzt wieder einen Aufschwung erlebt und Menschen wieder Musik anders erleben und genießen. Ich finde es gut, wie es im Moment geht. Es ist zu spüren, dass Menschen die Live Erfahrung eines Konzertes, die wir alle sehr vermisst haben, jetzt wieder intensiv miterleben wollen. Ich finde das schön, auch wenn im Moment alle Musiker*innen Bäume ausreißen wollen und man sich etwas in die Quere kommt.

Ich habe auch das Gefühl, dass Musik wieder individueller wird. Es ist nicht mehr dieser Einheitsbrei, es fängt wieder an interessanter zu werden. Derzeit gibt es etwa wieder mehr Funk-, Blues-Bands, der Indierock wird auch wieder erdiger und ehrlicher. Es ist nicht mehr so überproduziert, weil Musiker*innen jetzt wieder mehr auf eigene Faust etwas machen. Sie machen genau das, auf was sie Bock haben und das spüren die Leute. Diese Ehrlichkeit, die in der Musik einmal da war, kommt zurück und das ist sehr schön.

Was liest Du derzeit?

Ich bin derzeit so in klassische Romane und deren besondere Sprache reingerutscht.Das ist im Moment „Das Bildnis des Dorian Grey“ von Oscar Wilde.

David Poglin am Mozartgrab_Wien _St.Marx

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Alle Kunst ist zugleich Oberfläche und Symbol. Wer unter die Oberfläche dringt, tut es auf eigene Gefahr. Wer dem Symbol nachgeht, tut es auf eigene Gefahr. In Wahrheit spiegelt die Kunst den Betrachter und nicht das Leben.“

Das Zitat stammt aus dem Vorwort von Oscar Wilde „Das Bildnis des Dorian Grey“.

David Poglin, Musiker

Vielen Dank für das Interview lieber David, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

David Poglin, Musiker

Alle Fotos_Walter Pobaschnig_Friedhof St.Marx_Wien _9_2021.

30.9.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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