„Schwarzer Kaffee, Zigaretten und David Bowie“ Catrin M.Hassa, Schriftstellerin _ Wien 2.10.2021

Liebe Catrin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Meist beginnt mein Tag gegen 6 Uhr sich kaugummiartig hinzuziehen – die literarischen Arbeitsprozesse finden sich stets begleitet durch große Mengen schwarzen Kaffees, Zigaretten und David Bowie.

Catrin M.Hassa, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die Lockdowns haben uns allen drastisch vor Augen geführt, wie essentiell und auch wie empfindlich das Gefüge aus Strukturen und Strukturlosigkeit, das die Räume unseres Handelns und Erlebens bedingt, so ist, sei das nun auf psychischer, sozialer, ökonomischer oder politischer Ebene. Wir durften wohl alle in den letzten Monaten intensivere Erfahrungs- und Lernprozesse in Sachen Verantwortung, Solidarität, Freiheit und Abhängigkeiten durchlaufen als eingangs gedacht – diese Erfahrungswerte als Chance zur Reflexion zu nutzen, halte ich persönlich für durchaus wichtig.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Es wäre schön, sich der Illusion hingeben zu können, die Einengungen, die Covid 19 in unser aller Lebenswelten eingebracht hat, böten eine reale Chance, die Buzzwords „Aufbruch“ und „Neubeginn“ ganz neu sinnstiftend zu erleben, sei es als Gesellschaft oder als Individuen. Vielleicht sind langfristige Umwertungen, das setzen bewussterer Foci, tatsächlich möglich – für wahrscheinlich halte ich das allerdings nicht.

Es könnte schon hilfreich sein, zu überdenken, ob all die Praxen, in denen wir uns tagtäglich wiederfinden und festgetackert glauben, tatsächlich so sehr unser Leben, unsere Identität bestimmen, wie gemeinhin angenommen. 

Kunst, beziehungsweise Literatur werden, meines Erachtens, das tun, was sie seit Jahrhunderten tun: Baudelaires Aufruf zum „être de son temps“ nachhechelnd, wird sie sich an eben dieser und sich selbst abarbeiten und dabei, mehr oder weniger erfolgreich, versuchen, irgendwo zwischen Erkenntnissen und Eskapismen Relevantes zu generieren. 

Was liest Du derzeit?

Friederike Mayröckers „da ich morgens und moosgrün. Ans Fenster trete“ und

Mithu M. Sanyals „Identitti“. Mayröckers literarisches Vermächtnis ist, aus meiner Sicht, gar nicht überschätzbar – selten hat mich das Ableben eines/r/* Künstler_in dermaßen betroffen gemacht.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Ich denke sowieso mit dem Knie“ (Joseph Beuys)

Vielen Dank für das Interview liebe Catrin, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Catrin M.Hassa, Schriftstellerin

http://catrinmhassa.net/

Foto_Alain Barbero

7.9.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

Ein Gedanke zu „„Schwarzer Kaffee, Zigaretten und David Bowie“ Catrin M.Hassa, Schriftstellerin _ Wien 2.10.2021

  1. Ein wunderbares Portrait einer Schriftstellerin, die eine große Philosophin und Denkerin mit viel Empfindsamkeit ist. Friederike Mayröcker wusste ihr Talent zu schätzen, das Vorwort zu einem von Catrin Hassas Lyrikbänden stammt von ihr.

    Catrin Hassa kann nicht überschätzt werden. Ich wünsche ihr, dass ihre Lyrik und ihre Gedanken „gehört“ werden und viel Resonanz bekommen.

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