„Nicht nur ein Foto in der Auslage eines Cafès“ Valerie Anna Gruber, Schauspielerin_ Station bei Peter Alexander _Wien 29.8.2021

Valerie Anna Gruber _ Schauspielerin _ reenacting Peter Alexander _
an den Lebensorten des Schauspielers und Sängers _Wien

Meine Eltern haben die Filme von Peter Alexander sehr geschätzt und daher begleiteten diese mich in der Kindheit. Der Tod von Peter Alexander 2011 war dann für mich ein weiterer Impuls seiner Kunst wie Persönlichkeit nachzugehen.

Peter Alexander schaffte es in seinen TV-Shows die ganze Familie vor dem Fernseher zu vereinen.

„Das kleine Beisl“ (1976) ist eines der prägnantesten Lieder von Peter Alexander, welches das Lebensgefühl der Zeit ausdrückt.

Die „Beisl“ Kultur ist heute Nostalgie. Da hat sich gesellschaftlich viel verändert. Das ist der Wandel der Zeit.

Ich schätze am Sänger Peter Alexander sein Lächeln in der Stimme, das ist ein Alleinstellungsmerkmal seiner Musik. In seinen Parodien wechselte das natürlich und er ist da fast gar nicht zu erkennen, das ist auch faszinierend.

Seine Musik ist so intensiv, ergreifend, auch nostalgisch, da braucht es eine bestimmte Stimmung für mich.

Ich mag auch die Filme von Peter Alexander sehr. Einen Lieblingsfilm zu nennen, ist da schwierig, weil es so viele sind (lacht). Der Film „Die Abenteuer des Grafen Bobby“ (1961) ist aber definitiv ein Liebling, der mich seit meiner Kindheit begleitet und fasziniert. Das ist ganz tolles Komödienhandwerk des Duos Peter Alexander und Gunter Philipp. Ich kann mir diesen Film alle paar Monate ansehen und immer darüber lachen. Die Begeisterung für Peter Alexander wurde in mir über seine Filme geweckt.

Am Beeindruckendsten ist für mich bei dem Schauspieler und Sänger Peter Alexander seine Ausstrahlung, Präsenz auf der Bühne, man schaut da einfach sofort hin. Es ist faszinierend, wenn Künstler sofort diese Aufmerksamkeit auf sich ziehen können. Dahingehend ist Peter Alexander auch ein großes Vorbild für mich als Schauspielerin.

Seine Parodie des Jazzsängers Al Jolson gehört für mich zu seinen beeindruckendsten künstlerischen Projekten. Es ist faszinierend wie in Stimme, Ausdruck bis zu Mikrobewegungen eine Verwandlung stattfindet. Diese Schauspielkunst der Verwandlung beherrschte Peter Alexander ganz beeindruckend.

Ich lese derzeit auch seine Biographie, heuer ist ja sein zehnter Todestag (Peter Alexander *1926 in Wien +2011 ebenda). In seiner Kindheit war Peter Alexander ja schon sehr musikalisch, sein Großvater hatte auch ein Musikgeschäft in Pilsen. Er war dann ja auch ein hervorragender Pianist, Jazz-Pianist, da hatte er unglaubliche Fähigkeiten und ist da etwas verkannt worden. Das ist ja kaum bekannt, weil der Schlager dann ganz in den Mittelpunkt der Produktionen rückte. Ich finde es persönlich schade, dass das Schlagerbusiness den vielseitig begabten Musiker Peter Alexander nicht so sichtbar machte.

Es gibt auch einen familiären Bezug meinerseits zu Peter Alexander. Mein Großvater war mit ihm bei der Kriegsmarine im II.Weltkrieg. Peter Alexander soll auch da schon sein Talent in Musik und Unterhaltung gezeigt haben. Es ist eine Fähigkeit, in solchen Situationen den Humor nicht zu verlieren.

Die Kunst war Peter Alexander in die Wiege gelegt. Die familiären Pläne waren wohl andere. Er hat aus Liebe, Räson zum Vater an der Universität Wien das Medizinstudium inskribiert aber keine einzige Vorlesung besucht. Er folgte seiner Begeisterung für Kunst konsequent, wo er spürte, da geht es hin für mich.

Die Schulzeit war für Peter Alexander schon Bühne. Streiche und Lehrerparodien werden ihm da ja schon nachgesagt. Der Unterhaltungsdrang zeigte sich schon stark.

Seine Mutter ermöglichte ihm in jungen Jahren einen Konzertbesuch von Frank Sinatra in London. Das war wohl ein weiterer Impuls für die Musikkarriere wie er später oft erzählte. Das Gewinnen eines Musikwettbewerbes in Wien, er sang da einen cover song, war dann sicherlich ein wichtiger Baustein in Selbstbewusstsein und Mut am Weg zur Bühne.

Peter Alexander ist in Wien/Alsergrund in der Sechsschimmelgasse aufgewachsen. Später war sein Wohnsitz eine Villa in Döbling/Paul-Ehrlich Gasse, die leider abgerissen wurde. Es ist derzeit Brachland und auch innerlich bewegend, dies zu sehen. Man kann sich nur wundern, dass es da nicht möglich war, für jemanden, der in Wien und weltweit so bekannt war, einen unmittelbaren Gedenkort am Lebensort zu ermöglichen.

Es gibt für Peter Alexander ja keine größere Gedenkstätte in Wien. Es gibt zwar den Peter-Alexander Platz in Döbling, der sehr schön ist, aber keine weiteren, anschaulicheren Gedenkplätze, etwa an seinen künstlerischen wie biographischen Bezugspunkten, in Wien.

In Döbling wäre wohl auch ein Museum am Villenstandort möglich gewesen, das bestimmt viele Besucher angezogen hätte.

Zum 100.Geburtstag des Wiener Künstlers wünsche ich mir schon eine Anerkennung, eine sichtbare Form des Gedenkens, etwa eine Gedenktafel am Haus in der Sechsschimmelgasse in Wien/Alsergrund und nicht nur ein Foto in der Auslage des Cafès im Haus. Es ist schade, dass es für so einen großartigen Künstler derzeit nicht mehr an sichtbarem Gedenken gibt.

Peter Alexander verkörperte den Wiener Charme. Das kam gerade auch in Deutschland sehr gut an. Das Galante und das Spitzbübische in einem.

Seine Frau und Managerin, die Schauspielerin Hildegarde Haagen (*1922+2003, Heirat 1952), war wesentlicher Teil seiner umfassenden Karriere. Sie plante seine Stationen und Präsenzen in der sich verändernden Medienwelt sehr überlegt und zielsicher.

Seine Frau war ein starker künstlerischer Antrieb für Peter Alexander, sie war wichtige Motivationsgeberin.

Das Künstlerleben von Peter Alexander war sicherlich wahnsinnig anstrengend. Diese unglaubliche Fülle an Filmen, Lieder, Shows, das ist wohl heute in dieser Form nicht mehr vorstellbar. Etwa in kürzester Zeit vier Hauptrollen pro Jahr zu spielen. Diese konzentrierte künstlerische Energie und auch dieses Level über so lange Zeit zu halten, ist zu bewundern.

Eine work-life Balance hatte Peter Alexander im heutigen Sinne wohl nicht und dies war sicher sehr kräftezehrend. Vielleicht ist sein Rückzug aus der künstlerischen wie Öffentlichkeit an sich damit verstehbarer.

Die Unterhaltungsbranche war sicherlich auch damals zur Zeit Peter Alexanders gnadenlos. Als feinfühliger Künstler ist das kein leichtes Pflaster. Das hat sich nicht geändert.

In meiner persönlichen work-life Balance genieße ich jetzt als Schauspielerin die Produktionen, die jetzt endlich nach so langer Corona-Ruhe wieder stattfinden sehr aber die Urlaubszeit ist dann auch sehr willkommen.

Das Spannende für mich am Schauspiel ist, dass die Energie, die man investiert auch wieder zurückkommt, wenn es gut läuft.

Die Lieder Peter Alexander hatten ja auch gesellschaftskritische Inhalte, etwa „Hier ist ein Mensch“ (1970) oder „Die süßesten Früchte“ (1953), das wurde inhaltlich ja gar nicht so wahrgenommen.

Peter Alexander war politisch interessiert und auch sozial engagiert, etwa im Bau einer Schule in Afrika. Er hat das nie nach außen getragen.

Peter Alexander war und ist für mich eine ganz starke Inspirationsquelle in seinem Entertainment Talent, seiner Ausstrahlung und seiner Konsequenz. Ich bin dankbar für die Begegnung mit seiner Arbeit in meinem Leben.

Wenn es mir nicht so gut geht, schaue ich mir einen Peter Alexander Film und die Welt ist wieder in Ordnung.

Das Werk Peter Alexander und seine Künstlerpersönlichkeit sind außergewöhnlich und Vorbild. Mein Wunsch ist, dass Peter Alexander nicht in Vergessenheit gerät.

Lieber Peter Alexander, Dankeschön, Sie waren bezaubernd, Dankeschön!

literaturoutdoors_Station bei Peter Alexander_Schauspieler, Sänger (1926-2011) Wien

Valerie Anna Gruber, Schauspielerin_Wien 

https://www.valerieannagruber.com/

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _8_2021

https://literaturoutdoors.com

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