„Die Qualitäten von Frau und Mann zulassen“ May Garzon, Schauspielerin_ Romanjubiläum Malina _ Wien 26.8.2021

May Garzon, Schauspielerin
_am Romanschauplatz Malina _ Wien

Orte beschäftigten mich gerade bei meinem Umzug letztes Jahr sehr. Es sind für mich Erinnerungen.

Persönliche Erinnerungen machen einen Ort besonders. Ein Ort mag für andere unscheinbar sein aber bei mir schlägt dann in jedem Vorbeigehen mein Herz höher.

Das Wort Heimat kommt mir jetzt in den Sinn. Es ist für mich aber gar nicht so ortsbezogen, weil meine Familie immer weit gewohnt hat.

Wien ist meine Heimat geworden, die ich in den letzten Jahren sehr zu schätzen gelernt habe. Wien hat etwa unglaublich viel kulturell zu bieten.

Wien erzählt sehr viel. Am Morgen oder in der Nacht besonders. Ich spaziere da sehr gern. Da ist so viel Ruhe und Kraft zu spüren.

Ich stelle mir oft vergangenes Leben in der Stadt vor, wenn ich ein Gebäude oder eine Gedenktafel sehe. Es ist besonders wie Zeit und Raum ineinander greifen.

Wien hat so viel verschiedene Seiten, das mag ich an Wien. Und ich vermisse dies jetzt schon, plane auch bald wieder auf einen Besuch zu kommen. Ich versuche das Pflaster langsam abzureißen (lacht).

Der Ort, an dem man aufwächst, ist immer mit gemischten Gefühlen verbinden. Es ist immer eine Form von Hassliebe.

Ich finde es extrem spannend neue Orte zu entdecken. Oder Orte, die ich sehr gut kenne, neu zu entdecken.

In Wien gibt es so viel Geschichte, Tradition, Schönheit. Aber oft denken wir in Gesellschaft und Leben nicht darüber hinaus – „das hat es schon gegeben, das kannst du auch machen.“ Das man nicht zu weit hinausfliegen darf oder soll.

Derzeit gehe ich alles in meinem Leben sehr ruhig an. Da wir ja nicht wissen was auf uns zukommt. Und in einer neuen Stadt weiß man dies ja noch weniger. Ich versuche offen zu sein, das zu empfangen was kommt.

Im Ankommen in München habe ich im Einrichten der Wohnung und den Besorgungen dazu die Stadt kennengelernt. Das war sehr weitverzweigt und ein schöner Zugang zu Straßen, Plätzen der Stadt.

In München erinnert mich vieles an. Viele sagen ja, es ist ein kleines Wien.

Ich habe drei Möbelstücke nach München mitgenommen. Eine Truhe, eine Lampe und einen Tisch. Das ist jetzt ein, mein Stück Wien in München (lacht). Das sind auch meine drei kleinen Anker. Möbel schaffen auch Heimat.

Ich hänge sehr wenig an Gegenständen. Aber persönliche Briefe, Geschenke, Erinnerungsstücke bewahre ich sehr gerne auf. Diese sind alle in Kisten, nicht unmittelbar bei mir.

In meiner Kindheit habe ich wohl wie jedes Kind gerne herumgeblödelt und Kaspertheater gespielt. Meine Großmutter sagte dann, „du könntest ja Schauspielerin werden.“ Ich dem Moment dachte ich, cool, das könnte ich werden. Das blieb mir dann hängen (lacht). Mit vierzehn Jahren besuchte ich dann erste Schauspielkurse. Mit achtzehn Jahren besuchte ich dann die Schauspielschule. Und ich habe dann einfach mit dem Schauspiel nicht mehr aufgehört (lacht). Es gibt da auch künstlerische Wegbegleiter*innen über viele Jahre wie die Wiener Schauspielerin Isabella Jeschke.  

Mich interessiert im Theater auch besonders die Stückentwicklung mit eigenen Texten. Die eigene Geschichte zu erzählen, zu vermitteln ist ganz besonders. Film und Fernsehen sind für mich auch beruflich sehr spannend und ich möchte da jetzt auch meinen Weg gehen.

In der Liebe, Affären hat sich seit „Malina“ nicht viel verändert. Es kommt heute allerdings eine größere Offenheit dazu.

Treue ist in der Liebe Ehrlichkeit, es ist im Herzen und wird für mich nicht über Sex definiert.

Das Leben ist bunt und komplex und das ist auch die Liebe.

Bei Mann und Frau hat sich seit den 1970er Jahren nicht so viel geändert. Die Themen, Problematiken sind noch immer da. Es werden noch viele Unterschiede zwischen Mann und Frau gemacht.

Mann und Frau habe je ihre eigenen Qualitäten. Es geht darum diese Qualitäten zuzulassen und zu leben, individuell wie gemeinsam. Wir müssen Wege finden, um das Gemeinsame zu suchen und zu leben.

Wir alle haben Wunden des Lebens, der Liebe wie auch die Verantwortung für Wege weg davon hin zur Zukunft.

Ich kann mit einem Geschlechterkampf nicht viel anfangen. Die Macht des Patriarchats ist auch eine Last für den Mann. Es ist ein gemeinsamer Weg der Befreiung.

Von gesellschaftlicher Poesie zwischen Mann und Frau sind wir weit entfernt. Das Bewusstsein des Miteinanders bildet sich aber. Die Zukunft ist allerdings offen.

Liebe auf den ersten Blick ist möglich. Aber wir haben es verlernt, weil der Partner zuerst abgescannt wird. Wir lassen uns nicht darauf ein, dass es sein darf.

Wir sind in der Liebe nicht mehr so kompromissbereit für einen „Zauber des Anfangs“. Wir haben viele Raster, die zu erfüllen sind.

May Garzon, Schauspielerin
_am Romanschauplatz Malina _ Wien

50 Jahre Malina _ Roman _ Ingeborg Bachmann _ im Gespräch und szenischem Fotoporträt:

May Garzon_Schauspielerin_München_Wien 

http://www.maygarzon.com/

Station bei Ingeborg Bachmann_Romanschauplatz_Malina.

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien_6_2020.

https://literaturoutdoors.com

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