„Zu wissen, dass es immer Menschen gibt, die für einen da sind“ Marie-Luise Schottleitner, Sopranistin_ Wien 14.8.2021

Liebe Marie-Luise, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf ist ziemlich frei gerade, aber durch die Onlinestunden gibt es irgendwie doch einen geregelten Ablauf. Ich stehe mit meinem Lebenspartner, der auch Musiker ist und noch mehr als ich online unterrichtet hat, auf und ehrlicherweise genieße ich diese Zeit zusammen. Das Unterrichten vor dem Bildschirm ist eine Krücke, auch wenn die Schüler und Schülerinnen viel gelernt haben, es ist und bleibt schwierig, anstrengend und mit zwei Menschen im Haushalt, die online unterrichten, ziemlich laut. Abgesehen davon, dass manche Schüler und Schülerinnen einfach den direkten, echten Kontakt bei gewissen Problemstellungen brauchen. Aber ich verliere mich im Detail. Wie so oft. Jedenfalls, wird bei uns viel gekocht, wenn wir daheim sind und da die Wegzeiten wegfallen auch mehr geübt. Ich will nicht sagen, dass zuhause sitzen(müssen) toll ist, aber es hat mir auch Dinge gezeigt, die im normalen „schnellschnell“ Alltag untergehen.

Alsoja… frühstücken, unterrichten, essen üben, unterrichten, Katzen kuscheln. Zeit für die Partnerschaft und Skypedates mit allen möglichen Freunden und Freundinnen und Kollegen und Kolleginnen.

Ich denke, wir haben uns einfach mit der Situation arrangiert.

Marie-Luise Schottleitner _Sopranistin und Gesangspädagogin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich denke, zu wissen, dass es immer Menschen gibt, die für einen da sind. Ob das jetzt über Skype oder mit einem Parkbier oder einfach getestet vorbeikommen. Und dass man merkt, was einem wichtig ist.

Ich denke, c. hat uns allen eine Detoxkur verordnet. In vielen wichtigen und in vielen schmerzlichen Dingen.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich denke, die Menschen, die Kunst vor c. Nur aus der Konservendose konsumiert haben, für die hat sich nichts geändert. Das klingt hart, aber ich denke, das kommt recht gut hin.

Für die Menschen, die wieder in ein Theater gehen können, für die ist es wie… wieder atmen zu können. Ich denke, es ist auch recht egal, welches Stück/Oper/Austellung das ist, wo man wieder hingehen kann, es ist wie, wenn man nach Hause kommt. Ich denke, die Energie, die vor allen in den darstellenden Künsten von der Bühne zum Publikum und umgekehrt fließt, das ist das, was Theater in jeglicher Form ausmacht. Ganz unabhängig von Genre, Geschmack oder Qualität.

Insofern, kann Musik und Kunst alles oder nichts machen in und nach diesem c.

Was liest Du derzeit?

… eine gute Frage. Derzeit lese ich „O du mein Österreich“ von Hans Weigel.

Das Buch ist schon älter, aber es beschreibt die österreichische Seele so gut, dass ich es nur jedem weiterempfehlen kann!

Auch ein Buch, wie ein Theater, wo ich mich zuhause fühle.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Kunst ist das Leben, heiter ist der Ernst.

Aus eben erwähntem Buch eine Kapitelbezeichung.

Marie-Luise Schottleitner _Sopranistin und Gesangspädagogin

Vielen Dank für das Interview liebe Maria-Luise, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Marie-Luise Schottleitner _Sopranistin und Gesangspädagogin

Alle Fotos_Karina Portrait

15.7.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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