„Kunst sollte gesellschaftliche Themen aufgreifen und rütteln“ Susan Madsen, Bildende Künstlerin_Berlin 21.7.2021

Liebe Susan , wie sieht dein Tagesablauf aus?

Daran hat sich nicht viel verändert. Aufstehen, Kaffee trinken, Rauchen, Internet, photographieren.

Ich lebe in einem Wagendorf im Tiny House mit meinen 4 Söhnen. Da gibt es viel zu organisieren. Möglichst auch delegieren. Ich bin erkrankt seit Februar an einer Herzmuskel Entzündung. Das schränkt mein Radius stark ein, auch photographisch. Ich sehe es als eine Chance mich mehr zu beschäftigen mit dem Unmittelbaren in meiner Nähe, wo ich in der Vergangenheit nicht so genau hingesehen hatte.

Susan Madsen, Bildende Künstlerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Das was schon immer wichtig gewesen wäre: menschlicher Nähe und Zusammenhalt. Aufmerksamkeit und Besinnung darauf was wir haben und nicht darauf was wir gerne hätte oder verloren haben. Sensibilität und Solidarität für und mit für die wirklichen Verlierer unserer Gesellschaft.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt der Kunst an sich zu?

Ich tue mich schwer mit dieser Frage. Aufbruch und Neubeginn gehört zum Leben. Nicht nur eine Pandemie lädt dazu ein, sondern viele andere Ereignisse in unserem Leben. Für mich ist es etwas Normales, mein Leben zu überdenken und mich neu zu erfinden.

Meine Hoffnung wäre, dass diese „Pause“ die Menschheit zur Besinnung bringen würde.

Mehr Sensibilität für die Umwelt, mehr Verzicht auf angeblich notwendige Dinge, eine gewisse „Langsamkeit“ im Tun und Lassen. Ich denke auch eine Diskussion über was der Begriff „Freiheit „ und „Meinungsfreiheit“ wirklich zu bedeuten hat, wäre gesund? Ich bin geschockt über diese Herden Mentalität in der Corona Diskussion. So schnell geht es also, dass eine andere Meinung nicht toleriert wird?

Generell tue ich mich schwer damit den Kunstbegriff zu definieren – ganz allgemein und für mich selbst. Ich habe das unglaubliche Privileg an der Kunsthochschule Weissensee Bildhauerei mit 56 Jahren studieren zu dürfen und betrachte mich auch als Studentin ohne ausgereiftes Kunstverständnis (bekommt man das überhaupt irgendwann?)

Ein gleichaltriger Dozent sagte mir mal „Ich stehe am Ende und du am Anfang“ und das stimmt tatsächlich. Oft weiß ich nicht was ich tue und warum? Das ist unheimlich befreiend, da ich feststellen muss mit zunehmenden Alter, dass es eigentlich genauso war in meinen anderen Leben. Nur dachte ich damals ich hätte einen Plan. Ich weigere mich wo es geht, Artist Statements abzugeben und das liegt nicht nur an meinem schlechte Deutsch und Englisch Kenntnissen.

Für mich ist zumindest das was ich mache etwas was für sich stehen sollte. Ohne eine lange intellektuelles Gedöns dazu. Mir gehen generell Menschen, die sich als Welt Verbesserer und Prediger empfinden auf die Nerven. Ich „erzähle gerne in Bildern und es begeistert mich, wenn der Betrachter zu meinen Photos ganz andere Geschichten erzählen kann als ich. Es regt also die Phantasie an! Im wesentlichen sind mir Humor, Leichtigkeit auch bei schwierigen Themen, Selbstironie, Spielen mit Vorurteilen, Freiheit, Courage, Moral und Ethik wichtig.

Ich denke Kunst hat die Rolle, die Kunst schon immer hatte? Kunst sollte gesellschaftliche Themen aufgreifen und rütteln, Emotionen auslösen, erlösen und bewegen und es darf gelacht werden dabei!

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„Es gibt mehr Probleme, als Lösungen“ Pelle Gerdes mein jüngster Sohn, 2019, damals 12 Jahre alt.

Vielen Dank für das Interview liebe Susan, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Susan Madsen, Bildende Künstlerin

Susan Madsen | Home

Foto_Susan Madson

18.6.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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