„Vieles kommt zu kurz, aber alles geht sich aus. Irgendwie.“ Jessica Lind, Schriftstellerin_Wien 18.7.2021

Liebe Jessica, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich rechne in halben Tagen. Mein Partner und ich teilen uns die Tage auf. 4 Stunden Arbeitszeit, 4 Stunden Kinderbetreuung. Dann abends oft Liegengebliebenes aufarbeiten. Manchmal auch einfach liegenbleiben. Vieles kommt zu kurz, aber alles geht sich aus. Irgendwie.

Jessica Lind_Schriftstellerin, Drehbuchautorin, Dramaturgin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Es ist schwierig, das pauschal zu beantworten. Unterschiedlichen Fragestellungen begegne ich mit unterschiedlichem Temperament. Was ich im Privaten gerade lerne, ist, nicht so streng mit mir zu sein. Auch mit anderen nicht so streng zu sein. Aber gerade gestern hatte ich einen Moment, wo alles auf mich eingebrochen ist und ich geglaubt habe, an  einem Tag alles, was mich stört, ändern zu müssen. Das ist unmöglich und macht niemanden glücklich. In diesem Bereich wünsche ich mir mehr Gelassenheit.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Dieser Aufbruch überfordert mich persönlich, weil ich dazu tendiere, mich vor Veränderung zu fürchten. Ich hoffe aber schon, dass daraus auch Chancen entstehen. Da ist zuallererst die Politik gefragt. Was Kunst und gerade die Popkultur kann, ist ein Gesellschaftsbild prägen. Da sehe ich eine große Chance durch das Erzählen Denkmuster, Rollenbilder und Klischees in unseren Köpfen aufzubrechen.

Was liest Du derzeit?

„Notes to Self“ von Emilie Pine (Hörbuch), „Herzklappen von Johnson & Johnson“ von Valerie Fritsch und „Fliegenpilze aus Kork“ von Marie-Luise Lehner

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

‚„Famously the trick to good writing is bleeding onto the page“ – clearly it was a male writer who coined this phrase, sitting at his typewriter, a blank sheet before him. What kind of blood dit he imagine? Blood from a vein in his arm or a leg, perhaps a head wound. Presumably it was not blood from a cervix. (…) And all along I was wrong, I should have been sitting down on my desk and spilling it (the periode blood) across the page, a shocking red to fill the white.’

aus „Notes to Self“ von Emilie Pine

Vielen Dank für das Interview liebe Jessica, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Filmprojekte – besonders für Deinen Debütroman „Mama“ Verlag Kremayr & Scheriauund persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Jessica Lind_Schriftstellerin, Drehbuchautorin, Dramaturgin

Mama – Kremayr & Scheriau (kremayr-scheriau.at)

Foto_Mercan Sümbültepe

8.7.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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