„Vor allem Kunst, die Mut macht und die Stellung bezieht“ Marina Maggio, Schriftstellerin_Würzburg 17.7.2021

Liebe Marina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

An meinen Tagesablauf hat sich so einiges geändert. Mein Hauptberuf ist Altenpflegerin. Seit der Pandemie muss ich während meiner Schichten immer eine Maske tragen. Ich muss, bevor ich die Einrichtung betrete, meine Temperatur messen, Laufzettel ausfüllen uvm. Auch den Bewohnern müssen mehrmals am Tag die Temperaturen gemessen werden. Die Hygienestandards wurden angehoben und die Dokumentation raubt einen viel mehr Zeit als vorher.  Wenn ich nach Hause komme, sitze ich noch zehn Minuten im Auto und überlege, wie ich in den 3 Stock komme. So erschöpft bin. Vor der Pandemie war ich regelmäßig im Botanischen Garten, habe dort viele meiner Gedichte geschrieben und fotografiert. Ich konnte Kraft tanken.  Während der Pandemie war der Botanische Garten geschlossen. Leider. Ich bin Mitglied im Würzburger

Autorenkreis. Seit der Pandemie finden keine Lesungen mehr statt und auch keine Treffen, außer Virtuelle. So langsam lockert sich das.

Marina Maggio,Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Zusammenzuhalten, aufeinander achtgeben und wenn möglich sich gegenseitig unterstützen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Im Moment stehe ich auch vor einen beruflichen Neubeginn. Ich habe gemerkt und gespürt, dass der Beruf den ich ausübe, nicht mehr der Beruf ist, den ich bis zur Rente machen möchte. Die Kunst, ob es das Schreiben oder Fotografieren ist, nimmt immer größeren Raum ein in meinem Herz und verdrängt die gegenwärtige Arbeit. Die Freude ist mir abhandengekommen. In der Pflege arbeite ich gegen Windmühlen. Ich möchte für meine Gedichte beklatscht werden und nicht für eine Arbeit bei der ich auf dem Zahnfleisch nach Hause robbe.

Ich denke, dass das Verarbeiten der Pandemie eine wesentliche Rolle spielen wird , auch in der Kunst und der Literatur. Wir brauchen wieder „geistige Nahrung“.

Vor allem Kunst, die Mut macht und die Stellung bezieht. Eine Kunst, die das Erlebte zulassen darf, auch wenn es nicht immer schmeichelt. Wie wir ja gesehen haben, wurde die Kunst und Kultur eher als ein Tier behandelt, das man irgendwo aussetzt und zu dem man sagt: „Schau wie du selber zurechtkommst. Auf dich kann man verzichten!“ Das darf trotz einer Pandemie nicht wieder passieren.

Was liest Du derzeit?

Da ich gerade eine Weiterbildung zur Gerontopsychiatrischen Fachkraft mache, lese ich viel Literatur über psychische Störungen und Schmerzmanagement bei Demenz(  „Der vergessene Schmerz“). Dann lese ich zurzeit die Bücher „Achtsam morden“ von Karsten Dusse und „Mein Prinz, ich bin das Ghetto“  (Gedichte) von Dincer Gücyeter.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

 „Wer schon auf dem Meeresgrund war, fürchtet sich nicht mehr vor Pfützen“.

(Arthur Lassen)

Vielen Dank für das Interview liebe Marina, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Marina Maggio, Schriftstellerin

Foto_privat.

18.6.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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