„Die Zukunft ist in meiner Vorstellung pluralistischer und ökonomisch gerechter“ Lukas Johne, Schauspieler_ Wien 2.7.2021

Lieber Lukas, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Interessanterweise wie auch schon die Jahre davor, Covid-19 hat einige Menschen in meinen Lebensrythmus gezwungen, wie ich amüsiert feststellen konnte:

Aufstehen um 6 Uhr früh. Ausgiebiges Frühstück, danach Arbeit an meinem aktuellen Stück und/oder Text lernen. Dann Sport und Theaterproben. Dazwischen Castings, Networking, Festivalorganisation und ehrlicherweise „unwinding“ auf Youtube. Vorfreude auf das Abendessen, vorzugsweise immer mit Menschen wenn möglich! Um 9 ins Bett und lesen.  

Lukas Johne, Schauspieler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Es sollte uns klar sein, dass niemand die Antwort hat. Umso wichtiger ist es, solidarisch mit den Entscheidungen anderer umzugehen und sich in Toleranz zu üben um die Krise zu meistern. Die Zukunft ist in meiner Vorstellung pluralistischer und ökonomisch gerechter (Stichwort bedingungsloses Grundeinkommen).

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Aufbruch und Neubeginn begleiten uns immer und überall. Ihre Abwesenheit führt zu einem falschen und gefährlichen Sicherheitsdenken. Ein permanentes Sich-Neu-Erfinden sollte ein Grundwert in unserer Gesellschaft sein, dann wären auch Krisen leichter abzufangen. Dazu muss man sich allerdings unangenehmen Themen wie Bequemlichkeit, Angst oder Obrigkeitshörigkeit stellen. In meinem Verständnis von Kunst stellt sie sich diesen Themen und nutzt ihre Mittel, um sie zugänglicher zu machen. Kunst bzw. in meinem Fall Film und Theater bereiten komplexe Zusammenhänge auf emotional zugängliche Weise auf. Die Werke von Shakespeare, Aischylos oder Kieslowski, bzw. die darin behandelten Themen geben der eigenen Identität Kontur und lehren Reflexion.

Was liest Du derzeit?

Immer mit mir in meinem Bett: SHAKESPEARE COMPLETE WORKS. Dazu Mario Puzo’s THE GODFATHER. Ein Büchlein über KünstlerInnen, die im 2. Weltkrieg ins südfranzösischen Exil gingen, das ich für eine Performance am 13.6. (auf 2000 Höhenmetern) lese. UNSTRUNG HEROES von Franz Lidz. Sukzessive arbeite ich mich unregelmässig und nebenbei an Cervante’s DON QUIXOTE und Dante’s GÖTTLCHER KOMÖDIE sowie an ULYSSES ab. Ich arbeite auch gerne mit dem Zufallsprinzip und hoffe dass mir der offene Bücherschrank bald wieder ein Buch von Douglas Coupland entgegenwirft, es muss allerdings im englischen Original sein. 

Und in der aktuelle Ausgabe der Ö1 Bücherbox spreche ich mit Julia Reuter über THE PRICE OF SALT von Patricia Highsmith.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

So gut wie unmöglich sich zu entscheiden, es gäbe so viele offensichtliche Zitate aus aktuellen Stücken oder von oben genannten AutorInnen. Aber ich nehme eine meiner ganz persönlichen Lieblingsstellen:

Ah, when to the heart of men, was it ever less than a treason, to go with the drift of things, to yield in grace to reason and to bow and accept the end of a love or a season.- Robert Frost

Vielen Dank für das Interview lieber Lukas viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Film-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Lukas Johne, Schauspieler

lukasjohne.com

Foto_Tobias Holzer

8.6.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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