„Literatur wird vieles sichtbar machen“ Daniela Chana, Schriftstellerin_Wien 19.6.2021

Liebe Daniela, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich bin morgens immer am produktivsten, daher stehe ich relativ früh auf und setze mich an den Schreibtisch. Zum Ausgleich mache ich nachmittags gern längere Pausen, gehe Radfahren oder ähnliches. Derzeit arbeite ich an einem Roman und – so wie immer – an neuen Gedichten und anderen Texten für diverse Publikationen. Da ich jetzt mehr zuhause bin als sonst, habe ich zwischendurch etwas mehr Muße zum Kochen und Blumengießen. Einiges, was mir früher Zeit und Nerven geraubt hat, fällt derzeit weg, wie etwa die langen Fahrten von A nach B oder lästige Einladungen, zu denen man sich nicht traut, „Nein“ zu sagen. Ich kann daher meine Zeit etwas effizienter nutzen als früher. Das ist aber freilich nur eine ganz subjektive Erfahrung.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Darauf würde ich keine pauschale Antwort geben wollen. Die Situationen der Menschen sind so unterschiedlich, mit und ohne Krise. Daran sollte man sich vielleicht immer wieder erinnern: dass man die eigene Erfahrung und das eigene Erleben nicht auf alle anderen übertragen kann.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Es vollzieht sich wohl ein Schritt in Richtung Digitalisierung, dem ich durchaus einiges abgewinnen kann. Abgesehen davon würde ich keine Prognosen abgeben wollen. Ich vermute, dass die Literatur, ebenso wie die anderen Kunstformen, in den kommenden Jahren dazu beitragen wird, vieles sichtbar zu machen, was in der gegenwärtigen Wahrnehmung noch ein bisschen untergeht: unterschiedliche Einzelschicksale, die jetzt vielleicht nicht so viel Beachtung finden, aber auch schöne Erlebnisse, Glücksmomente und dergleichen. Rückblickend versteht man ja viel mehr. Die Kunst hilft dabei.

Was liest Du derzeit?

Ich lese immer eine wilde Mischung aus Klassikern und Neuerscheinungen, abwechselnd und zum Teil parallel: zuletzt die Romane von Thomas Hardy, dicht gefolgt von Juli Zeh, zwischendurch Lyrik-Neuerscheinungen, die ich rezensiere. Dazwischen ganz sehnsuchtsvoll diverse Bücher über das Wandern und die Natur, weil ich mich schon darauf freue, wenn das Wetter endlich besser wird und ich wieder häufiger Wandern und Radfahren gehen kann. Nebenbei habe ich in den letzten Tagen auch Sigmund Freuds „Zur Psychopathologie des Alltagslebens“ wiedergelesen, da ich das in Hinblick auf meinen Roman noch einmal auffrischen wollte.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Die Parkbänke wurden lichter. / An manchen Wochentagen / saßen dort nur Erinnerungen.“ (aus dem Gedicht „Der gleiche Oktober“ von Alexander Peer, erschienen in seinem Gedichtband „Der Klang der stummen Verhältnisse“, Innsbruck: Limbus Verlag, 2017, S. 96.)

Vielen Dank für das Interview liebe Daniela, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Daniela Chana, Schriftstellerin

Sagt die Dame (limbusverlag.at)

Foto_Wilhelm Chana, 2020

18.5.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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