„Liebe ist ein Geschenk, kein Sterben“ Michaela Khom, Sängerin_Romanjubiläum Malina_Wien 12.6.2021

Mein Weg zur Kunst war unumgänglich. Mein Zugang zum Leben war immer kreativ. Ich bin mit vier Geschwistern aufgewachsen. Wir hatten keinen Fernseher und mussten uns immer etwas ausdenken.

Michaela Khom_Sängerin, Schauspielerin

Mein ältester Bruder spielte Szenen mit Playmobil Figuren. Wir machten auch Guckkastenbühnen, Hörspiele, auch hatten wir eine Geschwisterband, da war ich am Schlagzeug. Wir wurden immer zur Musik ermutigt. Spielen alle ein Instrument oder mehrere.

Ich weiß nicht wie man anders leben kann als sich immer wieder ein Bild von der Welt zu machen, daran zu spielen, arbeiten, etwas zu schaffen.

Die Entscheidung für die Musik war nach der Matura. Musik und Kunst fließt bei mir ineinander. Klänge und Farben.

Ich bin für die Ausbildung als Sängerin nach Wien gekommen und fand schnell eine Gemeinschaft. Wien, das sind meine Freunde und die künstlerischen Möglichkeiten. Ich spaziere gern durch die Innenstadt und mag auch das Grün um die Stadt, etwa den Lainzer Tiergarten.

Ich liebe es neue Wege zu entdecken. Etwa am Heimweg.

Ich habe eine Band „Die Duetten“, da ist der Schwerpunkt Wiener Lieder, komödiantische Lieder. Als Sängerin bin ich aber in verschiedenen Stilen unterwegs von Pop über Theater, Musical, Klassik. Theater- und Musicalproduktionen sind ein laufender Schwerpunkt. Aktuell im Theater Arche Wien_“Wie ist es möglich, da zu sein?“ Ich plane jetzt auch ein eigenes Stück.

Inspiration sind für mich Alltagssituationen. Schönes, Ungewöhnliches. Ich mache dann am Weg oder zuhause Sprachnotizen. Es ist eine Form von Alltagspoesie.

Ich habe Malina gelesen. Mich hat es aufgeregt, dass sich die Frau im Roman so abhängig macht. Man kann sich nicht ganz durchs Lebens schaukeln lassen. Ich dachte da gleich so geht das nicht (lacht). Wie eine Ware und dann das ständige Warten auf den Mann.

Ich sehe die Frau im Roman als nicht lebensfähig. Sie ist ein Künstler*in Klischee. Abhängig von Liebesbeziehungen und getrieben von Emotionen. Als Künstler*in weiß man, dass es nicht so ist (lacht).

Der Protagonist Malina ist so ein Mann-Klischee im Roman – „Ich weiß was für Dich gut ist“. Ivan ist als Mann nicht greifbar, nicht erreichbar.

Der moderne Mann ist auch arm, er muss so viele an ihn gestellten Ansprüche in einer Beziehung erfüllen. Der verständnisvolle, geschniegelte, starke Mann in der Partnerschaft soll er sein. Und dazu kommen die eigenen Bedürfnisse (lacht).

Wenn ich sage, das muss der Mann erfüllen. Da liege ich schon falsch, denn dann kann er kann keine eigenständige Person mehr sein. Dann muss er alles erfüllen. Die Frage ist, was kann ich in einer Partnerschaft erfüllen.

Der Mann muss eine eigenständige Person sein sonst ist er nicht interessant. Ein Schoßhündchen.

Wir sollten als Frau und Mann vor offenen Rollenbildern stehen und selbstbewusst, frei darauf zugehen, allein oder gemeinsam.

Das Beziehungsmodell der Affäre im Roman ist auch heute noch gängig. Es gibt aber vielfältigere offenere Beziehungsrealitäten heute.

Das Wichtigste in einer Beziehung ist das gegenseitige Unterstützen und Auffangen. Es sind zwei Persönlichkeiten mit Zielen und Vorstellungen aber mit dem Wissen, da ist jemand da neben und mit Dir. Ein Ankerplatz.

Wenn die Eigenständigkeit der Persönlichkeit verlorengeht, dann ist die Zeit gekommen in der Beziehung zu gehen.

Es gibt Verliebtheit auf den ersten Blick. Liebe ist ein tägliches Entdecken, eine Bewegung und ein Wachsen.

Kommunikation in der Beziehung ist für mich wesentlich Humor. Ich spreche nicht viel, höre auch nicht so gut zu (lacht). Beim Informationsaustausch bin ich am Lernen (lacht).

In meiner Partnerschaft treffen wir uns über Humor, die Interessen sind unterschiedlich.

Partnerschaft ist für mich kein Kräftemessen sondern ein Zuhausesein, gerade wenn man über Grenzen in der Kunst geht.

Eigene Familie, Kinder und Musik, künstlerischer Beruf, da begleitet mich etwas die Angst.

Der Blick in den Spiegel, in die eigene Persönlichkeit ist immer da. Dieser ist unumgänglich. Aber da ist auch Vorsicht wichtig, um nicht zu sehr zu kreisen.

Ich träume viel. Da kann ich manchmal schwer loslassen. Das Beiseiteschieben ist oft eine Aufgabe, um sich von der Stimmung zu lösen.

Offene Partnerschaft, offene Sexualität. Alles ist erlaubt. Die Frage ist was macht es mit mir? Ohne persönliche Grenzen geht es nicht. Freiheit kann auch Verzicht heißen.

Das liebevolle Miteinander in der Partnerschaft wird heute – fünfzig Jahre nach Malina – stärker gelebt.

Verliebtsein, Verlieren in einer Person ist kein Dauerzustand. Liebe ist ein sich Aufgeben für mehr. Ein Geschenk, kein Sterben. Es müssen aber beide so denken. Wenn beide sich füreinander aufgeben, ist für beide gesorgt. Dann ist es unter einem Hut (lacht).

Der Roman sagt zu einer Frau „Stopp!“ – Man muss sich nicht immer wie eine hilflose Dame aufführen – selbst die Ärmel hochkrempeln, aufstehen!

Ich schreibe keine Briefe aber sehr viele SMS. Schriftlicher Raum ist ein großer Wortspielraum. Das ist im Gespräch oft nicht so greifbar.

Alles was wir erleben, lesen, bezieht sich auf unsere eigene Geschichte. Alles ist ein Spiegel, Filter.

An Kunst denke ich den ganzen Tag. Ich erlaube mir das jetzt und darf es auch genießen. Das ist wie in der Liebe. Beides hat mit einfach „zu sein dürfen“ zu tun und Dinge auch so zu lassen wie sie sind.

Michaela Khom_Sängerin, Schauspielerin

50 Jahre Malina _ Roman _ Ingeborg Bachmann _ im Gespräch:

Michaela Khom _ Sängerin, Schauspielerin _Wien _ Station bei Ingeborg Bachmann _Hotel Regina_Wien_5_2021

Michaela Khom (michaela-khom.at)

Die Duetten Dialekt-Chanson

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _ 5_2021.

https://literaturoutdoors.com

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