„Theater heißt Geschichten erzählen, neue Impulse zu bekommen“ Helena Vogel, Schauspielerin_ Wien 9.6.2021

Liebe Helena, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Viel in meiner Wohnung vor dem Laptop sitzen, wenig auf der Bühne stehen.
Das ist sehr schade. Ich verlerne so langsam, wie man sich auf so einer Bühne
verhält. Dafür koche ich aber wieder mehr, kann öfter die Sonne genießen,
telefoniere mit Freund*innen, die ich schon ewig nicht mehr gesehen habe. Mit
ein paar Leuten aus meinem Jahrgang treffe ich mich regelmäßig. Und so
langsam kommt auch das Studium wieder ins Rollen. Jetzt, wo es wärmer und
heller wird, fühlt sich alles viel leichter an.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Durchhalten. Uns etwas Gutes tun. Optimistisch bleiben. Lachen. Die Situation
nutzen und online den Kontakt mit Menschen wiederherstellen, an die man
sonst vielleicht gar nicht gedacht hätte. Das befruchtet und gibt neue Impulse.
Auf sich und seinen Körper hören. Sich austauschen. Im Moment befinden sich
die meisten in einem Gefühlswirrwarr und in einem ständigen Auf und Ab. Dies
akzeptieren. Rausgehen. Die Sonne genießen.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen.
Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der
Kunst an sich zu?

Ich glaube, dass erstmal viel Unsicherheit, viele Ängste bleiben werden. Das ist
gerade für uns alle eine sehr anstrengende, ungewisse Zeit. Aber sie birgt auch
neue Chancen. Das Theater kann dabei helfen, Menschen wieder
zusammenzubringen. In der Kunst kann und wird unsere jetzige Situation
aufgearbeitet werden. Und Theater heißt Geschichten erzählen, Geschichten
sehen. Ich glaube, das fehlt gerade vielen Menschen: neue Impulse zu
bekommen aus dem Außen, mit anderen Leuten zusammen in einem Raum Unterhaltung genießen, sich in eine andere Welt entführen zu lassen. Der
Energieaustausch, der da stattfindet, die Gespräche, die nach einer Aufführung
entstehen. Netflix und Co können das nicht ersetzen. Unsere Theater können da
hoffentlich ansetzen und vielleicht sogar wieder mehr Menschen für sich
begeistern.

Was liest Du derzeit?

STRAFE von Ferdinand von Schirach. Das muss ich endlich einem meiner
Kommilitonen zurückgeben. Grüße an Jonas an dieser Stelle.
Und nebenbei lese ich schon ein bisschen rein in Imaginary Friend von Stephen
Chbosky. Fast 900 Seiten, das wird meine Lektüre für Donauinsel-Nachmittage.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Die ganze Welt ist eine große Geschichte, und wir spielen darin mit.

Michael Ende in Momo

Vielen Dank für das Interview liebe Helena, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Helena Vogel, Schauspielerin

Foto_Anne Sophie Vogel

11.5.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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