„Die Musik kann uns von der Verzweiflung in die Hoffnung tragen“ Veronika Vitazkova, flutist _ Wien 7.6.2021

Liebe Veronika, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Also, ich würde sagen, dass mein Tagesablauf momentan viel ruhiger ist als davor. Nach dem Aufstehen mache ich Sport – Laufen, Yoga oder ein Workout. Dann sitze ich vor dem Laptop und schreibe Emails, verschicke Zoom-Links für meine SchülerInnen, mache ich endlich meine Website, kümmere ich mich um meine Social Media, lerne wie man ein Homestudio richtig aufbauen soll, knüpfe Kontakte online und übe die Flöte. Oder es kommt ein neues Instrument aus dem anderen Ende der Welt per Post und ich bin voll begeistert dabei es auszuprobieren.

Seit Corona habe ich angefangen, viele neue ethnische Blasinstrumente kennenzulernen und mein Wissen zu vertiefen. An einem Tag bin ich in geistlich in Armenien mit dem Duduk und am anderen Tag in den Tatras mit der slowakischen Fujara. Dann kommt ein Auftrag für Musik für eine Dokumentation, eine Werbung oder einen Film und ich probiere Klänge aus und so kann der ganze Tag schnell weg sein, wenn ich mich damit beschäftige.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Geistlich und physisch frisch zu bleiben. Lernen wir was Neues, finden wir einen anderen oder neuen Zugang zu den alten Sachen. Experimentieren wir.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Ich hoffe, dass wir aus dieser Pandemie lernen,  dass nicht alles selbstverständlich ist. Das wenn man ein Konzert oder Theater live erleben darf, dass es wirklich etwas besonderes ist und dass man es mit keinem noch s guten Kopfhörer oder Bildschirmen ersetzen kann. Dass wir uns nicht immer nur um die Zukunft oder Vergangenheit kümmern sollen sondern einfach hier und jetzt das Wertschätzen und Genießen wieder erlernen. Die Musik kann uns dabei von Trauer in die Freude, von der Verzweiflung in die Hoffnung tragen. Und dieser Prozess ist so gesund.

Was liest Du derzeit?

Die Welt von Gestern“ von Stefan Zweig.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Letztlich habe ich gelesen, wie wichtig es in der Natur und eigentlich überall ist, dass man anpassungfähig bleibt. Ich habe mir da mehrere Gedanken gemacht. Adaptation – wie für die Pflanzen in der Wüste, Polarbären in der Kälte.. Für die Menschen ist es nicht anders, wir müssen uns adaptieren können an die Situation oder an Zeiten, die kommen oder gekommen sind. Es gibt keinen Weg rundherum.

Veronika Vitazkovka, flutist, world woodwind player, recording artist

Vielen Dank für das Interview liebe Veronika, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musikprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Veronika Vitazkova, flutist, world woodwind player, recording artist

Fotos_1 Karina Shabnam Naghiei, 2 privat; 3 und 4 Katja Rivas-Liebmann;

10.5.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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