„Ein Corona-Roman wirkt auf mich wie Leichenfledderei“ Andreas Gruber, Schriftsteller_ Grillenberg/NÖ 6.6.2021

Lieber Andreas, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

So, wie vor Corona auch, da hat sich nichts geändert, weil ich es als Autor sowieso schon seit Jahren gewöhnt bin, im Home-Office zu arbeiten und ich Social Distance ohnehin für meine Kreativität brauche. Konkret heißt das, um 7 Uhr früh aufstehen, eine Stunde mit einem guten Hörspiel auf den Ohren im Wald walken gehen, Wirbelsäulengymnastik (schließlich bin ich schon über fünfzig), um 9 Uhr frühstücken, schreiben bis 16 Uhr, Sport auf dem Heimtrainer, spätes Mittagessen (wegen Intervallfasten meine letzte Mahlzeit am Tag), danach bürokratische Tätigkeiten wie E-Mails beantworten. Der Abend gehört dann der Familie und den Katzen. Aktuell schauen meine Frau und ich die Agatha Christie Poirot-Serie mit David Suchet. Ihr gefällt Ustinov als Poirot besser, mir Suchet, das sorgt immer für interessante Diskussionen.

Andreas Gruber, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Gegenseitige Toleranz, sowohl von den Rechten als auch von den Linken, damit wir alle an einem Strang ziehen und so rasch wie möglich aus der Pandemie-Krise herauskommen. Wenn wir uns jetzt politisch gegeneinander aufreiben und damit Energien verschwenden, lachen sich die Virus-Mutationen ins Fäustchen, weil wir ihnen unsere Schwachseite zeigen.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich kann da jetzt nur für mich persönlich sprechen. Ich werde Corona in meinen Romanen und Kurzgeschichten nicht thematisieren. Es wirkt auf mich wie Leichenfledderei, wenn ich versuchte, damit Geld zu verdienen. Ich werde nach wie vor an meinen Büchern arbeiten – inhaltlich aber völlig coronafrei – und den Lesern dadurch die Möglichkeit geben, wie auch schon in den letzten zwanzig Jahren, für ein paar Stunden aus der Realität in eine spannende und interessante fiktive Welt einzutauchen.

Was ich mit meinen Bücher versuche, ist einfach den Lesern eine Abwechslung zu bieten, auf andere Gedanken zu kommen und sich zu unterhalten, egal, ob gerade die Prüfung an der Uni versemmelt wurde, die Katze gestorben ist, jemand in der Familie krank ist oder eine Pandemie uns alle zu Hause gefangen hält.

Was liest Du derzeit?

Tatsächlich lese ich im Moment gerade so genannte Schundliteratur, d.h. Heftromane aus den 70er Jahren, bei denen ich mich völlig entspannen kann. Davor habe ich mehrere Themenhefte von GEO und Spektrum der Wissenschaft über den Urknall gelesen, und nach meiner Schundheft-Phase werde ich ein Sachbuch über das Mittelmeer lesen. Dazwischen höre ich gerade, beim Walken im Wald, das Hörspiel „Der Schwarm“ von Frank Schätzing.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Eines von Marie von Ebner-Eschenbach über Bücher und Freundschaften, das mir besonders gut gefällt:

„Ein schönes Buch nicht wieder lesen, weil man es schon gelesen hat, das ist, als ob man einen teuren Freund nicht wieder besuchen würde, weil man ihn schon kennt.“

Andreas Gruber, Schriftsteller

Vielen Dank für das Interview lieber Andreas, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Andreas Gruber, Schriftsteller

www.agruber.com

(15) Andreas Gruber | Facebook

Fotos_Lukas Beck.

8.5.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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