„Das Beste von dem zu sein, was wir sein können“ Brigitte Soucek, Schauspielerin_ Klagenfurt 5.6.2021

Liebe Brigitte, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich habe das Glück neben meinem künstlerischen Beruf als Schauspielerin und Sängerin meiner Tätigkeit als Therapeutin nachgehen zu können. Dabei arbeite ich hauptsächlich mit Kindern. Die Ursprünglichkeit und Direktheit dieser kleinen Menschen, bringt mir so viel Freude, bereichert und berührt mich täglich. Einziger Wermutstropfen: Ich stehe drei Mal die Woche um 06.00 Uhr auf, was für einen Nachtmenschen wie mich nicht gerade einfach ist („lach“). An meinen „freien Tagen“ genieße ich dann das Ausschlafen und einen gemütlichen Morgenkaffee.

Brigitte Souček, Schauspielerin, Sängerin, Therapeutin

Während der Lockdown-Phasen habe ich begonnen mich intensiv mit meiner persönlichen Weiterentwicklung, mit meinem „Seelenheil“ zu beschäftigen: Dazu besuchte ich bis vor kurzem einen praxisnahen Philosophiekurs, lese themenspezifische Bücher und Texte, sehe mir naturwissenschaftliche aber auch spirituelle Dokus an, meditiere täglich und halte bewusst Innenschau. Außerdem genieße ich die bereichernden Gespräche mit meinen Freund*innen und meiner Familie. Ich habe auch wieder vermehrt begonnen zu kochen (was ich auch als sehr meditativ empfinde), achte dabei überwiegend auf eine ausgewogene und biologische Ernährung. Kürzlich habe ich festgestellt, dass ich Alkohol kaum noch vertrage, weshalb ich nun beschlossen habe ihn weitestgehend wegzulassen. Nur Schokolade gehört leider noch zu meinem täglichen Laster. Und so bleibt es nicht aus, mich viel, aber auch sehr gerne in der Natur zu bewegen…

In künstlerischer Hinsicht arbeite ich seit einiger Zeit an der Realisierung mehrerer Projekte, die derzeit noch nicht ganz spruchreif sind und besuche – was nun glücklicherweise wieder möglich ist – Kunstausstellungen, Ateliers, Kundgebungen. Last but not least vermisse ich aber soziale Kontakte, das gemütliche Zusammensitzen, den Austausch mit Menschen und insbesondere mit Künstler*innen, was sich zum Glück ja bald wieder ändert.  

Brigitte Souček, _Das Gemälde im Hintergrund stammt von Brigitte Kranz.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Das Verbindende vor das Trennende zu stellen. Ich habe den Eindruck, dass sich die Menschheit gerade sehr spaltet, leider. Diese Pandemie bringt viele Wahrheiten ans Licht, schöne und unschöne. Trotzdem halte ich es gerade jetzt für notwendig nicht in der Energie der Angst zu verweilen, sondern nach vorne zu sehen, im Vertrauen zu bleiben. Eine Krise bedeutet in ihrer ursprünglichen Form ja einerseits „wichtige Veränderung“, aber andererseits auch „Chance“.

Vielleicht sind wir in dieser Zeitqualität alle dazu aufgerufen mehr Antworten im Innen zu suchen. So viele Fragen beschäftigen mich gerade: Wer oder was tut mir in meinem Leben (noch) gut? Wie und mit wem kann ich sinnvoll(e) Zeit verbringen? Was kann ich im eigenen Umfeld tun, um eine „bessere“ Welt mitzugestalten, um ein besserer Mensch zu werden ohne dabei Ecken und Kanten zu verlieren? Dazu benötigt es den Blick über den eigenen Tellerrand. Es ist der Versuch gelebter Toleranz und Geduld mit sich und anderen; einander wertschätzend und respektvoll zu begegnen, mit Humor und Empathie, aber auch gesunde Grenzen zu setzen, wahrhaftig zu sein und aus dem Herzen heraus zu agieren.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Kunst und Kultur sind gerade jetzt wichtiger denn je – ja notWENDig! Denn sie schaffen Brücken zu einem verständnisvolleren Miteinander durch Kommunikation, durch Reflexion über unterschiedliche Kulturen und Identitäten. Künste berühren und inspirieren uns nicht nur, sie können und sollen veränderte Sichtweisen, neue Räume in uns eröffnen, uns
(weiter-)bilden und entwickeln. Kulturvermittlung hat ja auch einen gewissen „Erziehungsauftrag“. Im philosophischen Ideal Platons bedeutet Erziehung „von innen heraus ziehen“, was so viel heißt wie uns zu transformieren, uns (neu) zu entdecken, uns die Frage zu stellen: Wer oder was sind wir wirklich? Es bedeutet das Beste von dem zu sein, was wir sein können.

Die Tendenz zeigt, dass künftig wohl vermehrt Synergien zwischen Kunst und Kultur geschaffen werden, um noch konkreter Themen die nicht so gerne angesprochen, nicht so gerne gesehen werden, aufzugreifen und sichtbar zu machen. Erst kürzlich habe ich in diesem Kontext u.a. die deutsche Schauspielerin Maren Kroymann und ihre gleichnamige TV-Show entdeckt. Kroymann und ihr Team verpacken aktuelle – häufig noch immer tabuisierte Themen – auf sehr scharfsinnige und humorvolle Weise in ein Comedy-Format. Dies entspricht nur einem von vielen künstlerischen Mitteln gesellschaftliche Normen und Normierungen sichtbar zu machen, sie zu hinterfragen und Menschen dazu zu bewegen ihre Haltungen zu unterschiedlichen Lebensweisen zu überdenken.

Was liest Du derzeit?

„Konzentration und inneres Erwachen“ – Anleitungen aus dem tibetischen Buddhismus. Ein kleines, praxisbezogenes Büchlein mit mentalen und physischen Anregungen bzw. Konzentrationsübungen, um alltäglichen Herausforderungen konstruktiv zu begegnen.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Kümmere dich nur um die richtige Ausführung der Handlung und nicht um die Belohnung, die sich daraus ergeben könnte.“ (aus den Lehren der Bhagavadgita)

Eine hohe Kunst in dieser herausfordernden Zeit…

Brigitte Souček, Schauspielerin, Sängerin, Therapeutin

Vielen Dank für das Interview lieber Brigitte, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Brigitte Souček, Schauspielerin, Sängerin, Therapeutin

Brigitte Souček, Bsc – Schauspielerin, Sängerin, Sprecherin & Logopädin (wordpress.com)

Fotos_1 u.3 Monika Havekost; 2 Antia Wiegele.

8.5.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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