„Und wenn was nicht klappt, dann halt ein neuer Plan“ Norbert Holoubek, Regisseur_Wien 4.6.2021

Lieber Norbert, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Zur Zeit schreibe ich an einem Jugendbuch. Darum stehe ich gerade tatsächlich um vier Uhr in der Früh auf und schreibe. Ich habe zwei kleine Buben, da sind die Morgenstunden eine kostbare Zeit. Das ist allerdings in der Tat nur gerade so. Nicht die Norm. Aber ich habe schon immer am liebsten gleich in der Früh geschrieben. Um sechs kommt der Kleine dazu, eine Stunde später der Große. Eigentlich würden wir dann beide in den Kindergarten bringen. Zur Zeit aber wieder mal nicht, da der Große K1 ist und daher in Quarantäne. Seit September waren die Beiden gefühlte 8 Wochen im Kindergarten, sonst daheim. Schon eine Challenge. Aber auch Einteilungssache. Mein Mann ist gerade sehr gerne Papa und Hausmann. Ich unterrichte am PCA. (Performing Center Austria) Der ganze Unterricht verlief über viele Monate Online. Also von zu Hause. Da musste man schon kreativ sein um zu motivieren. Aber eigentlich haben wir die Zeit gut genützt. Jetzt aber dürfen wir wieder richtig in die Schule. Auch die Proben für den Sommer haben begonnen. Für teatro habe ich das Textbuch für das Musical „Little Women“ geschrieben. Jetzt inszeniere ich es gerade und wir spielen im August in der Europahalle Mödling. Sind die Kinder im Kindergarten, versuche ich alles so zu regeln, dass ich meistens um 15.30 fertig bin, um sie abzuholen. Jetzt wo das Wetter besser ist, sind wir sehr viel draußen. In unserem Garten, oder im Hof hinterm Haus, wo die Buben mit vielen Kindern spielen können. Langweilig wird es nie.

Norbert Holoubek, Regisseur, Autor, Dozent, Schauspieler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Für uns, weiß ich nicht? Dazu erscheinen mir die Schicksale gerade zu unterschiedlich. Für mich: Die Hoffnung nicht aufgeben: und zwar an das Gute. Zur Zeit ist man umgeben von so vielen negativen Nachrichten, die eher Hoffnung nehmen, als geben. Und realistisch bleiben, was ist gerade alles möglich. Und was nicht. Und mich auf das Mögliche konzentrieren und nicht auf das Unmögliche. Kreativ kann ich immer sein, auch wenn ich mit den Buben ein Legohaus baue. Die Kinder helfen. Die bleiben im Moment. Nur das Jetzt zählt. Das hilft. Und raus gehen. Leute suchen, die einem gut tun. Spazieren. An die Luft. Ich bin kein Konsummensch. Ich brauche wenig. Darum vermisse ich auch nicht viel. Außer das Theater. Und Livemusik.

teatros_Alice im Wunderland

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Vor einem Aufbruch? Ich weiß nicht. Ich glaube an ein Miteinander. An Ruhe bewahren. An: Emotionen raus und Pläne rein. Und wenn was nicht klappt, dann halt ein neuer Plan. In den letzten Monaten, war ich der Meister in Plan B bis Z.  Wahrscheinlich wir alle. Darum den Augenblick nützen. Wenn etwas abgesagt wird, oder andere Umstände eintreffen, denke ich mir nicht „schade“, sondern „Cool, neue Zeit. Was kann ich damit machen?“ Jammern liegt mich nicht. Was kann man sonst tun? Achtsam sein. Zuhören. Nicht alles so wichtig nehmen. Auch sich nicht. Und schon gar nicht laute Menschen. Füreinander da sein. Ein positives Vorbild. Weitermachen. Schritt für Schritt.

Was das Theater betrifft: Ich kann nur von meiner Kunst sprechen. Sie soll vor allem unterhalten und die Menschen (und zwar alle, Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Alte) Zufrieden bin ich mit einer Geschichte, wenn viel gelacht wird, auch einmal geweint wird, wenn ich Gänsehaut bekomme und ein paar unterschwellige Botschaften verkünden kann. Meine Stücke und Bücher sind immer von einer positiven Energie geprägt. Auch wenn die Figuren oft Antihelden sind und sie es bestimmt nicht immer leicht haben, bleiben sie im Kern positiv und geben nie auf. Sie gehen ihren Weg. Auch wenn er über Strecken steinig ist. Und sie hinterfragen sich immer wieder: Bin ich noch der Mensch, der ich sein möchte? Und wenn nicht, was für ein Mensch möchte ich jetzt sein. Und natürlich den Humor nicht verlieren. Lachen hilft. Viel Lachen noch mehr.

teatros_Heidi

Was liest Du derzeit?

Den Buben lese ich am Abend „Die Brüder Löwenherz“ von Astrid Lindgren vor. Das habe ich selber schon oft gelesen und verschenkt. Das sind genau die Geschichten, die ich liebe.

Ich selber lese gerade viel für meine anstehenden Projekte: eine Biographie von Anne Frank,  „Robotermärchen“ von Stanislaw Lem und eine Biographie von der Fiakermilli.

Privat lese ich gerade „Das Flüstern der Bäume“ von Michael Christie. Gefällt mir sehr bis jetzt.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Herrlich ist das Leben!“ (Lilo Lustig)

„Alles wird gut und wenn nicht, dann doch“ (teatro: Der Kleine Prinz)

Norbert Holoubek, Regisseur, Autor, Dozent, Schauspieler

Vielen Dank für das Interview lieber Norbert, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Theater-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Norbert Holoubek, Regisseur, Autor, Dozent, Schauspieler

norbertholoubek@gmx.de

Fotos_1 privat; 2, 3 teatros; 4 Roman Zagler.

7.5.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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