„schließ meine augen/sag ganz leis/mon amour“ Stephan Eibel, Schriftsteller_Wien 24.5.2021

Lieber Stephan, sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

steh gern früh auf. null eile angesagt- das gilt für ganzen tag- ganz besonders für vormittag- manchmal wach ich mit einem gedicht auf.

mon amour

am rand

der wiese mit himmelschlüssel

kerbel, sauerampfer und allerhand

schließ meine augen

sag ganz leis

mon amour

spür

wie der frühling sich verbreitet

bis in die lungen der kranken

bis in die nieren von stieren

mon amour

hör

das fröhliche plaudern der vögel

das rohe röhren der hirsche

das scharren der katze an der vergangenheit

mon amour

Stephan Eibel, mon amour

je wacher ich werd, umso unfertiger wird gedicht. je mehr ich schreiben will, umso mehr verkrampf ich mich. räume küche auf, geh spazieren. das lockert. ab 10 uhr ists vorbei mit konzentration. falls ich unruhig werde ob der niederträchtigkeiten die hilflosen menschen passieren oder mir passieren, ich unverschämtes von einem politker höre wasche ich wäsche. das beruhigt.

nachmittags schlaf ich eine halbe stunde und geh abwechselnd mit christian zillner, gabriele kögl und ewald baringer, erwin uhrmann oder lydia mischkulnig spazieren. oder ich hab interviews, wobei ich sie gern im prater hab. dort geh ich barfuß und das lockert mich beim handelsvertreter spielen.

abendessen mit bettina und vielleicht unserer jüngeren tochter marlene. und einmal in der woche sind wir von unserer älteren tochter und ihrem freund zum essen eingeladen.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

machotum ist nicht einfach nur lächerlich. es ist lebensgefährlich. das leben grauslich machen die rechtsextremen.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

vor sitzungen im nationalrat soll ein gedicht aufgesagt werden- auswendig! vor landtags-wie gemeinderatssitzungen auch. und wird jemand beim schwarzfahren erwischt, gibt es keine strafe, wenn ein gedicht aufgesagt wird.das muss nicht unbedingt der ewischte aufsagen, sondern kann auch ein anderer oder eine andere in der straßenbahn oder …aufsagen.

Was liest Du derzeit?

die windhose vom 13.oktober 1870 von erwin uhrmann- gipskind von gabriele kögl – die paradiesmaschine von lydia mischkulnig – erinnern-suche nach dem vergessen(en) von eva ribarits, gitta stagl

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

sei bitte net kleinlich                                                                                                                                      es genügt                                                                                  

wenns i bin     

Vielen Dank für das Interview lieber Stephan, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Stephan Eibel, Schriftsteller

Stephan Eibel | Facebook

Foto_Marlene Eibel

22.5.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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