„Und auf eine bessere, viel bessere, utopisch gute Welt hoffen und dafür arbeiten“ Astrid Perz, Schauspielerin_ Wien 22.5.2021

Liebe Astrid, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Manche Dinge sind „wie immer“, ich starte mit meinem Morgenritual in den Tag und am Abend reflektiere ich beim Journal und Tagebuch schreiben über alles was ich erlebt habe. Glücklicherweise gehört zumindest 2 mal wöchentlich auch noch das Proben zu meinem Alltag, derzeit am Theater Delphin- dafür bin ich sehr dankbar.

Neue Rituale sind die regelmäßigen Besuche bei den Teststraßen, die immer routinierter ablaufen.

Ansonsten ist jeder Tag anders, es ist jedenfalls viel Freiraum da flexibel spontanen kreativen Impulsen zu folgen und Ideen umzusetzen, die sonst maximal in der Schublade landen würden, was ich sehr genieße.

Ab Ende April saß ich Mo bis Fr in einem Team 4 Kurs, darauf freute ich mich- so konnte ich diesen mehr oder minder „Stillstand“ der Branche zur Weiterentwicklung nutzen.

Astrid Perz, Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich denke wichtig ist es, achtsam mit sich selbst und anderen umzugehen und sich bewusst zu machen, dass diese Situation eine permanente Belastung und dauerhafter Stress ist, auch wenn man das vielleicht nicht bewusst wahrnimmt.

Auch wichtig ist, einen Umgang mit der Situation zu finden, der unter möglichst sicheren Bedingungen regelmäßigen Kontakt wie Umarmungen möglich macht. In meinem Umfeld merke ich, dass viele so streng mit sich selbst sind, dass sie über Wochen und Monate niemanden berühren, ich habe das eine Zeit lang auch so gehandhabt- aber das ist weder psychisch noch physisch gesund. Eine Arte Doku und ein Podcast von Deutschland Funk und Kultur zu diesem Thema haben mich zum Nachdenken gebracht, da wurde z.B. gesagt sich mit FFP2Maske, frisch getestet an der frischen Luft zu umarmen ist so ein geringes Risiko, dass die positiven Effekte definitiv überwiegen- das stärkt sogar das Immunsystem. Solche Lösungsansätze wünsche ich mir, die zeigen, wie man auch während dieser Phase ein schönes Leben haben kann. Mir hat es sehr geholfen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Vielleicht ist die Kunst die Chance diese Zeit sichtbar zu verarbeiten während- so befürchte ich- viele andere Bereiche ohne Pause weiter „funktionieren“ werden müssen, ohne eine echte Aufarbeitung zu erleben. Ich bin gespannt, was die Autor*innen in dieser Phase geschrieben haben, ob es mehr Stücke oder Filme über gewisse Berufsgruppen oder Themen geben wird.
Wesentlich…oder vielmehr wünschenswert wäre eben eine wirklich gute Aufarbeitung und ein kollektives Lernen aus Fehlern und Erkennen der Schwachstellen unseres Systems. Fakt ist aber, dass manche ganz von vorne werden anfangen müssen, während andere noch reicher geworden sind als sie ohnehin schon waren – mit dieser Realität werden wir umgehen müssen.

Was liest Du derzeit?

„Die Welt steht auf kein‘ Fall mehr lang- Couplets und Monologe“ von Johann Nestroy

„To the Actor- on the technique of acting“ von Michael Chekhov

„Meisterschaft des Lebens“ von Prentice Mulford

Und last but not least „NO MORE BULLSHIT- Das Handbuch gegen sexistische Stammtischweisheiten“ herausgegeben von der Sorority

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ui- ich kann mich nicht entscheiden- ich schummle und schreibe mehrere:

„Jeder Gedanke den wir denken, ist eine Wirklichkeit. Daraus folgt, dass jeder schlechte Gedanke unweigerlich eine schlechte Wirklichkeit erzeugt. Nun ist der Geist jeder Art ansteckend. Wer also ausschließlich positiv denkt, bringt nichts als positives in die Welt – und dieses wird weitergetragen, da die menschliche Natur zum Guten hin ausbaufähig ist.“ [Prentice Mulford]

„Imagination ist alles. Sie ist die Vorschau auf die künftigen Attraktionen des Lebens.“ [Albert Einstein]

…und das ist wie und warum Theater, Filme und Kunst die Welt verändern können. [Astrid Perz]

„Ihr seid die Schöpfer dieses zukünftigen Theaters.“ [Mala Powers]

Was ich damit sagen will ist:
Lasst uns weiterhin alles tun um mental positiv und Covid19 negativ zu bleiben und auf eine bessere, viel bessere, utopisch gute Welt hoffen und dafür arbeiten. Diese Krise ist hart und bleibt womöglich noch ein bisschen- aber es könnte eine Chance sein, wenn wir sie nutzen.

Astrid Perz, Schauspielerin

Vielen Dank für das Interview liebe Astrid, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Astrid Perz, Schauspielerin

Foto_Astrid Perz

25.4..2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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