„Generell wird die Kunst einen großen Hunger nach Leben stillen“ Britta Boerdner, Schriftstellerin_Frankfurt/Main 20.5.2021

Liebe Britta, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

6.15 joggen gehen, anschließend bis zum Nachmittag in meinem ziemlich anstrengenden Brotjob arbeiten. Danach brauche ich mindestens eine Stunde, um wieder normal zu werden. Kochen, essen, Musik hören, draußen herumlaufen. Wenn ich es noch irgendwie hinkriege, arbeite ich abends so lange ich kann am aktuellen Manuskript.

Britta Boerdner, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Dass wir nicht durchdrehen. Geduld, Nachsicht, Zuhören, Zuversicht. Auch, dass wir uns vornehmen, später – nach allem – genau das nicht zu vernachlässigen. Und auch diejenigen nicht vergessen, die draufzahlen mussten, deren Welt stehengeblieben ist.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich fürchte mich vor Corona-Romanen. Ein Auftrag zur Nachbereitung lässt noch lange keine gute Literatur entstehen. Die wird sowieso weiterhin das machen, was sie immer macht: versuchen, die Welt zu verstehen. Aber nicht, uns die Welt zu erklären. Und schon gar nicht programmatisch per zugewiesener Rolle. Wie immer werden Geschichten erzählt werden, in denen der Komplexität von Empfindungen, Ängsten, Widersprüchen nachgegangen wird. Dabei wird das, was wichtig und wesentlich ist, ganz unwillkürlich zutage treten. Literatur wird uns in enge Räume führen, auf weite Strecken schicken, in die Ferne schauen und wunde Stellen erkennen lassen, durchlässiger machen, aber auch Atem schöpfen lassen. Generell wird die Kunst bei allen, die sie sowieso zu schätzen wissen, einen großen Hunger nach Leben stillen, denke ich. Mir zumindest geht es so, dass ich mir vornehme, in Zukunft fast jeden Tag ins Kino, Theater, Konzert zu gehen, weil es mir so fehlt, dieses Große und Weite.

Was liest Du derzeit?

Zum x-ten Mal Marguerite Duras, Der Mann im Flur; Tim Winton, Breath; Ulrich Peltzer, Das bist du; Yevgeniy Breyger, Gestohlene Luft

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtet Du uns mitgeben?

Try to be a mensch! (Oscar Madison zu Felix Ungar in The Odd Couple)

Britta Boerdner, Schriftstellerin

Vielen Dank für das Interview liebe Britta, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Britta Boerdner, Schriftstellerin

Britta Boerdner | Aktuelles, Biografie, Kontakt

Foto_privat.

22.4.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s