„Ich glaube fest an die Notwendigkeit von gegenseitigen „Erzählungen““ Peter Laher, Künstler_ Drosendorf/NÖ 6.4.2021

Lieber Peter, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

An meinen Tagesablaufsgewohnheiten- bzw.Notwendigkeiten hat sich nicht allzu viel geändert. Schlafstörungsbedingt schlafe ich wann immer ich schlafen kann. Wenn ich wieder „weltkompatibel“ bin, arbeite ich regelmässig im Atelier, wie ich das die meiste Zeit meines Lebens getan und gehalten habe. Ich arbeite gegenwärtig an Kohle/Tusche Zeichnungen, die ich zu großformatigen Collagenbildern zusammenzufügen versuche. Ich beschäftige mich unter anderem mit den , in meiner Lebensumgebung im Waldviertel, landschaftsverändernden Großschlägerungen der vom Borkenkäfer geschädigten Waldlandschaften. Das Waldviertel wird wohl bald „Kahlviertel“ heißen müssen. Was weltweit geschieht, geschieht auch unmittelbar vor meiner/unserer Haustüre. Dazwischen wird gelesen und mitunter spazieren gegangen.

Peter Laher, Künstler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich formuliere im Konjunktiv, Austausch wäre wichtig, reden über das, was rundherum allenthalben geschieht und das gemeinsam abzuwägen und zu beratschlagen, was konkret zu tun wäre. Weil das aber entsprechend Gesprächspartner bräuchte und  die nicht  immer und überall zu haben sind, ist das notfalls auch als „Selbstgespräch“ zu führen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Kunst an sich zu?

Wir sind ja existentiell angewiesen auf „Sinnproduktion“, anders ist die Welt ja in ihren Erscheinungsformen nicht auszuhalten. War wohl auch nie anders, kann wohl auch nicht anders sein. Deshalb sind Kunst und Literatur so wichtig, gegenwärtig kommt mir das noch dringlicher vordem je. Nach Lesungen, Vernissagen, Kino-oder Theaterbesuchen hat man immer ein gesteigertes Bedürfnis sich darüber auszutauschen, was man soeben gesehen hat, wie einem das gerade Erlebte jeweils „vorgekommen“ ist. Ich glaube fest an die Notwendigkeit von gegenseitigen „Erzählungen“.

Was liest Du derzeit?

Immer gleichzeitig mehrere Bücher über den „Tag“ verteilt. Gegenwärtig sehr angetan von John Burnside „What light there is- Über die Schönheit des Moments“, Michelle Houellebeques Essays „ Ein bisschen schlechter“, daneben habe ich seine beiden Gedichtbände „ Wiedergeburt“ und der „Sinn des Kampfes“ aus dem Regal geholt und lese zwischendurch wieder hinein. Und schließlich Max Beckmann „ Die Realität der Träume in den Bildern“ und Werner Hofmann „Die Grundlagen der modernen Kunst“, das ich 25 Jahre nicht mehr in der Hand hatte.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Den letzten Satz den ich gestern bevor mir die Augen dann endlich doch zugefallen sind bei John Burnside auf S.146 noch bewußt gelesen habe :

„Der Himmel kann warten, alles andere aber ist um uns, zeugt von den Grenzen unseres Verweilens hier, beschreibt die Pose zwischen dem Ich und dem Anderen, die eine Heimat schafft, erinnert an die Existenz von Licht und der prachtvollen Last der Farbe“.

Vielen Dank für das Interview lieber Peter, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Peter Laher, Künstler

bsa – laher (bsa-art-ooe.at)

Peter Laher | Werk-X (werk-x.at)

10.3.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s