„Die Kunst ist etwas, das uns umgibt und dadurch nährt. So wie Atemluft“ Daniela Krammer, Musikerin_Wien 21.3.2021

Liebe Daniela, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich habe keinen fixen Tagesablauf – den hatte ich als Musikerin sowieso noch nie, da haben einfach meine Auftritte meine Zeit strukturiert. Auch damals war immer schon die Versorgung meiner Familie (2 Söhne) ein Anker, der immer gleich blieb, während der Berufsalltag sich immer geändert hat. Jetzt ist es wieder die Familie, die mir Halt gibt und wo ich mich im Moment ein bisschen mehr als Köchin austoben kann als normalerweise. Aber Auftitte gibt es ja keine, stattdessen stelle ich mir selbst immer wieder Aufgaben. Im Dezember habe ich einen musikalischen Adventkalender für meine Social-Media-Fans gemacht. Nach einem sehr ruhigen Jänner habe ich dann angefangen, in Parks mit meinem neuen Digital-Saxofon Lieder aufzunehmen und teile die in meinem Youtube-channel.

Daniela Krammer – YouTube

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Bei sich bleiben. Oder eher: zu sich kommen. Es tobt ein Sturm an Meinungen und Halbwissen über uns hinweg. Wenn man da nicht etwas hat, an dem man festhalten kann, wenn man sich nicht einen Funken Hoffnung im Herzen bewahren kann, wird man wegespült und ehe man sich versieht, ist man als Corona-Leugner auf der Straße und rennt seltsamen Führerfiguren hinterher.

Deshalb: bei sich bleiben. Zeiten finden, in denen man den Kopf frei bekommt. Beim Wandern, beim Laufen, beim Musikhören. Dann kann man wieder schauen: Was kann ich beeinflussen und was liegt außerhalb meiner Reichweite und muss ich so akzeptieren.

Daniela Krammer, Musikerin

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Ob der Musik oder der Kunst eine große sichtbare bzw. hörbare Rolle zukommt, wage ich zu bezweifeln. Die Kunst ist etwas, das uns umgibt und dadurch nährt. So wie Atemluft. Jetzt gerade ist die Atemluft der Kunst gerade sehr dünn, aber durch die verschiedenen Kanäle wie Netflix, Spotify und Youtube merken das die Menschen noch nicht. Noch haben die meisten das Empfinden, dass es uns Musikerinnen und Künstlerinnen nicht so dringend bräuchte. Und vordergründig stimmt das ja. In der Bedürfnispyramide des Überlebens sind wir nicht essentiell wichtig.

Vielleicht werden wir ja als Gesellschaft irgendwann in nächster Zeit die innere Ruhe finden, um zu spüren, worum es im Leben wirklich geht. Jetzt gerade sind alle im Überlebensmodus. Wenn dann die Zeit gekommen ist, werden wir Künstlerinnen wieder da sein und unseren Job tun. Im Moment geht das nur in sehr geringem Ausmaß. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf! Irgendwie geht es immer weiter.

Was liest Du derzeit?

Terry Pratchett, Good Omen.

Ich liebe seine skurilen Geschichten und seinen speziellen Blick auf die Welt.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Vergeude keine Zeit an Dinge, die du nicht beeinflussen kannst. Es gibt so vieles, dass gerade auf DICH wartet.

Vielen Dank für das Interview liebe Daniela, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musikprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Daniela Krammer, Musikerin

Saxolady – saxophone affairs (saxophone-affairs.at)

Foto_privat

11.3.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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