„Kulturförderprogramme im großen Stil sind gefragt“ Michaela Maria Müller, Schriftstellerin_Berlin 19.3.2021

Liebe Michaela Maria, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Früh aufstehen, Kaffeetrinken, zwei bis drei Stunden Schreibarbeit. Dann Homeschooling, Online-Konferenzen, Meetings, Büroarbeit. Zwischendurch Spazierengehen oder Laufen, um den Kopf freizubekommen. Manchmal auch ein Eisbad in der Havel.

Michaela Maria Müller_Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich glaube, ist es wichtig, so nah bei sich wie möglich zu bleiben. Bei seinen Bedürfnissen. Und zugleich auf andere achten, empathisch sein. Klingt vielleicht ein bisschen nach Spagat, aber ich versuche, beides im Blick zu behalten. Das letzte Jahr waren eine Anstrengung und ein Einschnitt, der uns unser Leben lang begleiten wird. Vielleicht deshalb: Jetzt nicht zu viel zu schnell wollen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Der Literatur und der Kunst kommt keine neue Rolle zu, würde ich sagen. Kunstschaffende verbinden alles mit allem. Dann tritt etwas Neues zutage, dem man versucht, eine Form, einen Ausdruck zu geben. Sehen, erkennen, verstehen, benennen. Aber es geht für die Kunstschaffende auch darum, erstmal wieder finanziell auf die Füße zu kommen, und da sind Kulturförderprogramme im großen Stil gefragt, vielleicht wie zu Zeiten des New Deals in den USA.

Was liest Du derzeit?

Ich lese gerade: „Ellbogen“ von Fatma Aydemir, ein Tipp von Nadire Biskin, „Mädchen, Frau etc.“ von Bernardine Evaristo, „Dave“ von Raphaela Edelbauer und „Was man sät“ von Marieke Lucas Rijneveld, ein Tipp von Katja Bohnet. Und aus einem Büchertausch mit einem guten Freund: Eva von Redeckers „Revolution für das Leben“. Ich habe es im Tausch für Simone Scharberts „du, alice: Eine Anrufung“ bekommen, und halte es für einen sehr gelungenen Tausch. Zurzeit lese ich sehr langsam und sorgfältig (also hoffentlich!). Manchmal lese ich ein Buch nach dem anderen, jetzt rufen meine Gedanken in die Texte rein, nicht störend, eher produktiv, und ich muss oft pausieren. Vielleicht hat es damit zu tun, dass sich ein neuer Stoff entwickelt und ich ihn erschließe.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Eine Aussage der Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk. Sie sagte in einem Interview, dass Nicht-Schreibende manchmal denken, dass es beim Schreiben nur um die Tätigkeit des Schreibens an sich ginge. Aber es ist mehr, es geht ums Denken, ums Erfinden. Die Gedanken ruhen nie. So gesehen, sagte sie, hätten Schreibende keinen Urlaub, keine freie Zeit, keine leeren Tage. Alles ist verbunden. Manchmal, berichtete sie, liege sie einfach nur in ihrem Bett. Aber sie arbeite hart, und zwar liegend. Das hatte ich mir so noch nie klargemacht, und es gefällt mir.

Vielen Dank für das Interview liebe Michaela Maria, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Buchprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Michaela Maria Müller, Schriftstellerin

Foto_Uwe Hauth

18.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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