„Malina hat etwas Kathartisches“ Marion Rottenhofer, Schauspielerin_ Station bei Bachmann _ Wien 18.3.2021

Marion Rottehofer_Schauspielerin_Wien

Ich bin in Kärnten, in der Nähe von St.Veit geboren und aufgewachsen. Von Kindesbeinen an wollte ich Schauspielerin werden. An den Samstagnachmittagen sah ich mit meiner Mutter die Filme mit Marika Rökk, sie war mein erstes großes Vorbild. Im Eindruck und der Begeisterung davon wollte ich Tänzerin und Sängerin werden. Ich habe dann die Handelsakademie in Klagenfurt abgeschlossen und ging der Liebe wegen nach Wien.

Ich habe in Wien zunächst verschiedene Jobs mit meiner kaufmännischen Ausbildung gemacht und dann die Aufnahmsprüfung für die Schauspielschule. Mit 24 Jahren schloss ich die Schauspielausbildung ab. Mein zweites Engagement war dann gleich wieder eine Verbindung mit Kärnten, ich hatte ein Engagement an der Studiobühne in Villach.  Damals war Alfred Meschnigg Intendant, der auch Gründer der Studiobühne war.  

Ein weiteres Engagement hatte ich zu der Zeit im neu gegründeten Klagenfurter Ensemble. Martin Kusej, der aktuelle Direktor des Burgtheaters, hatte hier eine seiner ersten Inszenierungen, in der ich spielte. Weitere Theaterstationen führten mich dann nach Graz, Salzburg, Wien, Deutschland. Ein Engagement endete dann und ich kam 1996 wieder nach Wien. Da war auch Angst über die Zukunft dabei. Aber als ich in Wien aus dem Zug stieg, wusste ich, dies ist die beste Stadt der Welt.

Es gab für mich dann einige Theaterproduktionen in Wien und ab 1998 sehr spannende Filmproduktionen. Eine sehr gute berufliche Zeit bis heute für mich. Auch meine Tochter kam in Wien zur Welt und ich lebe mit meiner Familie hier.

Die Atmospähre der Stadt war sehr positiv, dies erinnert mich auch an den Roman Malina. Das Wichtigste war für mich in dieser wunderbaren Stadt die Liebe. In aller Hingabe und Begeisterung. Das war ja auch bei Bachmann so. Diese kamikazehafte Hingabe. Dieses 1000 Prozent oder gar nicht. Da kann ich mich wiedererkennen in Roman und Leben Bachmanns.

Ingeborg Bachmann ist eine Ikone. Ein absoluter charismatischer Superstar mit einer Leucht- und Strahlkraft wie ein Filmstar.

Ingeborg Bachmann_Schriftstellerin_Foto_Heinz Bachmann 1962_Rom

Ingeborg Bachmann ist immer präsent, vor allem in Wien. Es ist ihre Stadt.

Dieses unbedingte Lieben und Leben, dieses ohne Rücksicht auf Verluste im Moment sein, das hat mich immer angezogen bei Bachmann.

Ich liebe Menschen, die sich hingeben können. Es gibt nichts Berührenderes und Bewundernswerteres, wenn ein Mensch seinem inneren Ruf folgt. Das braucht Mut!

Das Lesen des Romans „Malina“ ist auch „heilsam“, es hat etwas „Kathartisches“. Die Schriftstellerin, die Literatur durchlebt gleichsam diese Liebes-, und Lebenskrisen stellvertretend für Dich und Du brauchst Dich nicht in den Abgrund stürzen. Ihr Werk wird da auch in dieser Perspektive als Frau vor/am Abgrund immer wichtig bleiben.

Ich glaube auch heute an das Unbedingte in Liebe und Leben. Ich erschrecke, wenn ich die Abgeklärtheit der jungen Generation erlebe. Ich wusste bei meiner ersten großen Liebe wann wir heiraten (lacht). Liebe war ein Zelebrieren in allem. Wir haben uns jeden Tag einen Brief geschrieben.

Es wäre mir in meiner ersten Liebe nie in den Sinn gekommen, auch wenn er in Wien war, dass ich betrogen werde. Ich habe ganz unschuldig geliebt. Da war dieses „wir sind für einander bestimmt“ und wie schön ist das. Diese Naivität und Glauben an die Liebe sollten wir nicht verlieren.

Ich bin Schauspielerin aber mein Hauptberuf war und ist die Liebe.

Unbedingte Liebe ist lebbar aber es wird Wunden geben. Es werden immer Dinge zu Bruch gehen dabei.

Es ist es immer wert, den Zauber der Liebe auszukosten. Was macht das Leben sonst lebenswert?

Ich glaube nach wie vor, dass es unglaubliche Dinge im Leben zwischen Menschen gibt. Aber man muss hinschauen und wahrnehmen.

Heutige Männer sind schwer überfordert. Da ist auch eine Riesenverwirrung. Die Männer müssen wieder an Selbstbewusstsein, an kathartischem Selbstbewusstsein, gewinnen. Malina lädt da sehr gut zum Reflektieren ein.

Das Bedürfnis an Beschütztwerden und Beschützen ist ein genetischer Code.

Wir sind alle Frauen und Männer, Väter und Mütter in einem. Wir wechseln nur die Rollen.

Auch dieses Nach- und Weglaufen in der Liebe ist immer (noch) in uns. Wir müssen dieses Spiel der Liebe bedienen. Vielleicht ändert es sich in 100 000 Jahren.

In Malina geht es wesentlich um die Ehrlichkeit, Offenheit in der Liebe. Sprache und Aussprache. Diesen Wunsch danach und auch die Überforderung des Gegenüber.

Liebe auf den ersten Blick gibt es, wie in Malina. Das entscheidet sich, bevor Du es bemerkt hast.

Ich will als Frau Respekt in der Liebe. Das beginnt beim ersten Kaffee.

Wenn ich begehre, möchte ich geben. In allem. Anders geht es nicht. Sprichwörtlich – wie im Roman.

Partnerschaft ist eine Kommunikation, eine Auseinandersetzung, im besten Fall ein Finden und Leben von Persönlichkeitsanteilen. Oder ein Gehen, Durch-Die-Wand-Gehen, ein Kämpfen und ein Verschwinden – wie in Malina. Dies ist wohl das Hauptthema des Romans. Was kann, darf, soll – wann und wie endet Liebe? Bachmann spricht ja von „Todesarten“.

Es gibt auch diese fatalen Männer, auch leider diesen Hang als Frau dazu. Das ist eine Frage des Selbstbewusstseins, des Selbstwertes, der persönlichen Entwicklung.

Wir sind nicht dafür da, ständig glücklich zu sein. Glück sind die Ausreißer (lacht).

Marion Rottenhofer_Schauspielerin_Wien

50 Jahre Malina _ Roman _ Ingeborg Bachmann _ im Gespräch:

Marion Rottenhofer, Schauspielerin _Station bei Ingeborg Bachmann_ Wien_Romanschauplatz „Malina“.

MARION ROTTENHOFER •••

Alle Fotos/Interview_Walter Pobaschnig _ Romanschauplatz „Malina“ _Wien_12.3.2021

Walter Pobaschnig _ 3_2021

https://literaturoutdoors.com

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