„Einige Kollegen können es sich schlicht und ergreifend nicht mehr leisten Künstler zu sein“ Jakob Pinter, Schauspieler_ Wien 17.3.2021

Lieber Jakob, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Kommt immer drauf an: Wenn ich in Kärnten bin, verbring ich viel Zeit mit meiner Familie und im Büro, mach Buchhaltung etc. Hab vor Kurzem begonnen mein Eigenes Projekt auf die Beine zu stellen und da muss man viel organisieren.

Wenn ich in Wien bin, geh ich gern spazieren, spiele viel Klavier und singe (nicht immer zur Freude meiner Nachbarn), lese oder lerne Text.

Und ab Montag fang ich wieder an zu proben, also da wird sich dann alles ändern.

Jakob Pinter, Schauspieler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich glaube, dass es wichtig ist, sich nicht verrückt machen zu lassen. Zurzeit wird man medial derartig mit Corona News bombardiert, dass man nur schwer davon wegkommt.

Ich bemerke das auch oft in meinen Freundeskreis wie schnell man immer wieder auf dieses Thema zu sprechen kommt. Und da glaub ich, ist es manchmal gut, bewusst dagegen zu steuern und absichtlich nicht Corona zu thematisieren. Und das tut zuweilen richtig gut.

Aber vor allem finde ich, ist es wichtig, sich eine Struktur im Leben zu erhalten. Sich selbst Ziele zu setzen und darauf hinarbeiten. Ich merke, dass ich das brauche um nicht komplett zu versumpern, wie man so schön sagt.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich glaube und hoffe, dass uns diese Pandemie auch Möglichkeiten aufgezeigt hat die wir vor 2 Jahren noch für unvorstellbar gehalten haben. Die Grenzen des Unvorstellbaren haben sich erweitert. Und das macht diese Zeit auch so spannend. Die Frage ist nur, in welche Richtung wir als Gesellschaft uns entwickeln wollen.

Für die Kunstbranche wird es aber schwer. Ich befürchte, dass es viele geben wird, die eine Zeit brauchen werden, um sich von diesem Drama wieder zu erholen. Einige Kollegen können es sich schlicht und ergreifend nicht mehr leisten Künstler zu sein.

Die Krise hat sicherlich nochmal eine Lupe auf alle Defizite gelegt, die wir in dieser Branche haben. Und ich hoffe inständig, dass sich da etwas tut, vor allem in der Kommunikation mit der öffentlichen Hand.

Aber künstlerisch wird es meiner Meinung nach, sobald dieses ganze Theater abgespielt ist, wieder voll vorangehen. Ich hoffe, ich lebe nicht in einer Utopie, aber ich glaube, dass der Hunger nach Kunst bei den Menschen gerade sehr groß ist und die Menschen, sobald sie sich wieder sicher fühlen, ins Theater strömen werden. Aber es liegt auch an uns ihnen diese Sicherheit zu geben.

Was liest Du derzeit?

Habe gerade „Tyll“ von Daniel Kehlmann beendet. Ein toller Roman über einen mutigen Künstler zur Zeit des 30-jährigen Krieges.

Zurzeit führe ich eine On Off Beziehung mit Lisa Eckerts „Omama“.

Außerdem lese ich gerade „Meine Erlebnisse in dem furchtbaren Weltkriege 1914-1918“. Die Tagebücher des jungen Soldaten, auf österreichischer Seite, Franz Arneitz, der seine Erinnerungen so plastisch erzählt, dass einen manchmal die Haare zu Berge stehen.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Kunst ist schön macht aber viel Arbeit.“

Eine Tatsache die allzu gerne vergessen wird.

Jakob Pinter, Schauspieler

Vielen Dank für das Interview lieber Jakob, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Jakob Pinter, Schauspieler

Schauspieler | Jakob Pinter

Foto_1 Barbara Hutter; 2_3 Kurt Pinter.

20.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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