„Irritiert bis erschüttert, dass man nicht die Grundlagen für eine Pandemie wie diese hinterfragt“ Angelika Reitzer, Schriftstellerin_ Wien 13.3.2021

Liebe Angelika, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Äußerlich hat sich nicht so viel geändert, Schreiben, Lesen, Laufen. Zwar kann ich jetzt länger schlafen, weil der Teenager nicht mehr oder kaum in die Schule darf oder muss, je nachdem (schon verwunderlich, was man sich auf einmal zu wünschen beginnt…). Nur dass Schreiben, Lesen, Laufen jetzt Inseln sind inmitten von … allem oder eben nichts. Es fehlen Begegnungen, absichtliche, zufällige, Inspirationen, Auseinandersetzungen (… mit Menschen, mit der Kunst anderer, mit Kultur), Widersprüche, aber auch Unterwegssein, das Bewirten und Bewirtet-Werden.

Angelika Reitzer, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die Frage verstehe ich nicht oder kann sie zumindest nicht beantworten, weil ich nicht weiß, wer dieses wir/alle sind.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ob wir wirklich vor einem Aufbruch stehen, weiß ich nicht, befürchte doch eher, wir sind ein- oder ausgesperrt, teils depressiv, armutsgefährdet, allein, irritiert bis erschüttert darüber, dass man nicht die Grundlagen für eine Pandemie wie diese (neoliberaler Globalisierungsparforceritt) hinterfragt, sondern nur wieder das alte Fast-Normal zurückhaben will.

Sinn und Existenzgrundlage von Kunst liegt immer nur in ihr selbst, sogar wenn sie politisch ist oder agitiert. Dennoch können wir Forderungen stellen, die nicht mit dem Faktor der Wirtschaftlichkeit argumentieren, sondern nach einer Grundsicherung aller, die Künstler*innen könnten hier vorangehen.

Was liest Du derzeit?

„Das vorläufig Beibende“ von Elfriede Gerstl, Gedichte von Thomas Kling und „Triceratops“ von Stephan Roiss, das fetzt alles sehr!

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Gerstls Gedicht „einem vorwurf vorauseilend // ich habe keine ahnung / wie gut es mir geht / jetzt habe ich eine ahnung / dass ich keine ahnung habe / wie – bitte – geht es mir“

Vielen Dank für das Interview liebe Angelika, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Angelika Reitzer, Schriftstellerin

Kulturserver Graz » Virtuelle Visitenkarte » Angelika Reitzer

Foto_privat.

13.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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