„Die Baronin im Tresor“ Franziska Streun. Romanbiografie. Zytglogge Verlag.

Es ist Herbst. 1960. Der Sommer ist vergangen wie ein letztes Leben. Erinnerungen, Träume, Leichtigkeit. Jetzt ist die Schwere der Jahre zurück. Im Blick zum See spiegelt sich die nackte Seele und ihre Angst – „Fremde Stimmen dringen aus der Ferne zu ihr herein. Sie hört Scharniere, die quietschen…“. Es ist der Schrank, der Stahltresor, der über Jahre Besitz und Überleben vor Raub und Vernichtung schützte. Geld, Wertsachen und auch Menschen, wenn sich Freunde vor der Polizei verstecken mussten…

Doch jetzt will sie noch alles ordnen. Den Verkauf ihres „Gwatt“, des Sommersitzes am See, in Thun. Sie denkt an ihre Familiengeschichte. Die Rothschild-Dynastie und ihren Weg durch Zeiten in Licht und Dunkel, Freude und Abgrund. Die Gesellschaftsgeschichte. Kunst und Leben. Und die Zeit der Verfolgung, der Angst, der Schrecken. Das Haus erzählt davon. Manchmal still. Manchmal laut. Jetzt ganz leise… – Der Blick zurück – 1894. Brüssel. Die Spielsachen der jungen Betty – „Bald ist es so weit, nur noch ein paar mal schlafen, dann sind wir bei ihren Cousinen in Paris“, sagt Rahel, ihre Gouvernante. Die Welt öffnet sich. Ein Leben beginnt und so viel gibt es davon zu erzählen…jetzt…im Herbst der Jahre….

Die Autorin und Journalistin Franziska Streun legt mit ihrer Romanbiografie „Die Baronin im Tresor“ eine beeindruckende Lebensgeschichte wie ein Panoptikum der Zeit in allen Schattierungen vor, welches in Spannung und mitreißender Erzählweise begeistert. Das Leben der Betty Esther Charlotte Laure Lambert  von Goldschmidt-Rothschild/von Bonstetten (1894 – 1902) lässt Glanz, Verfolgung, Mut und Erinnerung von Mensch, Gesellschaft und Zeit anschaulich werden und ist so auch ein Buch zeitübergreifender Verantwortung und Achtsamkeit. Es ist äußerst bemerkenswert wie die Autorin umfangreiches biografisch/historisches Detailwissen mit einem Erzählfluß verbindet, der bis zur letzten Seite gleichsam mitleben lässt.

„Ein Leben und viel mehr als das – eindrucksvoll erzählt und erinnert!“

Walter Pobaschnig 2/21

https://literaturoutdoors.com

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