„Kunst soll sich kein Blatt vor den Mund halten, auch anecken“ Markus Keimel, Schriftsteller_Wien 24.2.2021

Lieber Markus, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Momentan sitze ich bereits früh morgens am Schreibtisch und schreibe. Ich bin dann entweder mit journalistischen Arbeiten beschäftigt oder schreibe an meinem neuen Roman. Eine feinsinnige Tragikomödie die mir literarisch und emotional vieles abverlangt. Gerade in Zeiten wie diesen steigt aber das Maß an Verlockung noch mehr, sich in seinem eigenen künstlerischen Schaffen zu verlieren. In der fiktiven Welt eines Romans Asyl zu finden, in der man Handlung und Ende selbst bestimmt.

Markus Keimel_Schriftsteller, Musiker, Sänger und Komponist.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich denke all das, was auch zuvor schon wichtig war. Woran man hoffentlich wieder vermehrt zu denken beginnt. Menschliche Werte. Besinnung. Menschenverstand. Entschleunigung. Solidarität. Demut. Gelassenheit. Eine gesunde Form von Skepsis. Aber auch eine gesunde Form von Vertrauen. Was wir als Gesellschaft nicht verlieren dürfen, ist die Toleranz gegenüber anderer Meinungen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Musik, der Kunst an sich zu?

Aufbruchstimmung wird uns sicher weiter bringen als Endzeitatmosphäre, wobei ich Worte wie Neubeginn in diesem Kontext für mich noch nicht zuordnen kann. Ich befürchte eher, dass sich das Rad in derselben Geschwindigkeit und Achse weiterdrehen wird wie zuvor. Es ändern sich bloß die Gegebenheiten aber nicht das System.

Der Kunst an sich wird meiner Ansicht nach eine viel zu große Bedeutung und Verantwortung angedichtet, als sie überhaupt tragen und halten kann. Sie soll sich kein Blatt vor den Mund halten, auch anecken. Aber vor allem soll sie Bühne sein für jene, denen es nicht an außergewöhnlichen Fähigkeiten mangelt. Kunst soll virtuos sein und nicht ein derbes Schlachtfeld politischer Aktivisten.

Was liest Du derzeit?

Ich lese aktuell sehr wenig, da es mir meine zeitlichen Ressourcen nicht wirklich ermöglichen. Aber ich habe mir tatsächlich vor wenigen Tagen ein paar Bücher des Schweizer Alien-Theoretikers Erich van Däniken bestellt, die mir in den kommenden Wochen so manche Zugfahrt versüßen werden. Ich finde seine Thesen sehr originell und spannend. Sie regen meine Fantasie an.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Das Schicksal malt uns Bilder, die wir in unserer Wahrnehmung bewerten. Das satteste Blau bedeutet gleich wenig Glück wie ein herbes Schwarz-Weiß. Alles Glück, das wir uns wünschen, liegt in einer absurden Betrachtung. Das Leben ist eine Interpretation. Wir müssen bloß lernen, richtig zu interpretieren. Die einzig entscheidende Komponente, die einem Sonnenaufgang seine wundervolle Wirkung schenkt, bist du. Nur du. (Markus Keimel)

Markus Keimel_Schriftsteller, Musiker, Sänger und Komponist.

Vielen Dank für das Interview lieber Markus, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musik-, Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Markus Keimel_Schriftsteller, Musiker, Sänger und Komponist.

Markus Keimel – markuskeimels Webseite! (jimdofree.com)

Fotos_Maria Kornschober

22.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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