„Sich trotzdem laufend selbst und zuerst in Frage zu stellen bevor wir zur Anklage verkommen“ Sebastian Brauneis, Regisseur_ Wien 1.2.2021

Lieber Sebastian, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Unregelmäßig aber mit Fixpunkten. Morgens Turnübungen und dann Cafemachen und trinken. Mittags Obst und Gemüse. Abends Spaziergänge. Dazwischen alles, was so zu tun ist. Manchmal mit starken Motivationstiefs. Aber um die „Erstarrungen“, die für mich typisch für mein berufliches Tun sind zu vermeiden – auch weil Sie wegen der verordneten Einsiedelei nicht den gleichen „Lack“ haben, wie in Zeiten der Bewegungsfreiheit (man „verschwendet“ sich zur Zeit damit so ungleich weniger) – um ebenjene zu vermeiden habe ich mir persönlich ein BackUp an Tätigkeiten angelegt, die ich dann relativ mechanisch und einem Untoten gleich exerzieren kann, ohne dass ich in den Stillstand gerate. Der überraschende Vorteil, obwohl nichts passiert geht trotzdem ständig etwas weiter.

Sebastian Brauneis _ Regisseur, Autor

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Diese Frage könnte ich nie beantworten, da die Bedürfnisketten und -bedingungen natürlich hoffentlich immer extrem individuell bleiben „dürfen“, in meinen Augen „müssen“. Und vielleicht ist das dann auch die Antwort, die ich geben könnte. Besonders wichtig ist; Momentan die Frage „Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?“ trotz allem was uns gerade betrifft trotzdem noch nicht annähernd sinnvoll beantworten zu können oder eben auch beantworten zu müssen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Film/Theater, der Kunst an sich zu?

Frei zu bleiben, offen zu bleiben, zu überleben, sich trotzdem laufend selbst und zuerst in Frage zu stellen bevor wir zur Anklage verkommen, solidarisch zu werden, denn das sind wir auch weiterhin nicht, solange wir auch in Zukunft hierarchische, an materieller Wertung orientierte und autoritärer Gesellschaftsformen entstammende, überalterte Strukturen in der Organisation unserer Arbeit, unseres künstlerischen Tuns nutzen um (in dem Fall dann nur scheinbar) Visionäres zu schaffen. Und natürlich nicht langweilig zu sein.

Was liest Du derzeit?

Hauptsächlich die Nachrichten und Bedienungsanleitungen und Tutorials. Ich arbeite momentan am Schnitt eines neuen Films und ich habe während diesen Phasen nicht genug freien Platz in mir, um mich auch auf Schönes von anderen einlassen zu können und dies dann auch so wie es dem Werk gebührt ernsthaft auszukosten.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Wir haben uns.

Vielen Dank für das Interview lieber Sebastian viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Film-, Regieprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Sebastian Brauneis _ Regisseur, Autor

Sebastian Brauneis – Verband Filmregie Österreich (austrian-directors.com)

Foto_Irene Schaur

27.1.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s