„Jetzt brauchen wir eine respekt- und liebevolle Sprache miteinander, die uns vereint“ Andreas Jähnert, Schauspieler_Wien 31.1.2021

Lieber Andreas, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Im Moment habe ich irrsinnig plastische Träume. Ich hinterfrage die Träume und beleuchte sie aus verschiedenen Perspektiven. Das erzeugt Energie.
Mit diesen Schwingungen erschaffe ich im Moment ein noch nicht existierendes Stück. Ich lese, verändere und kürze erarbeitete Texte, um die wichtigsten Themen zu kanalisieren.
Dann mache ich bewusst eine Pause. Singe beim Kochen und lade meinen Bruder sowie den Hausgeist zum Essen ein.
Anschließend lege ich die Beine hoch und stelle mir ein dunkles Gelb vor, dabei versuche ich an nichts zu denken. Das Vorstellen von Farben hilft mir zur Ruhe zu kommen.
Dann geht’s im gesunden Takt zur Probe ins Theater. Dort treffe ich Kollegen, wir reden über Geschichten aus unserer Vergangenheit, denken dabei in die Zukunft und entdecken die Gegenwart neu.
Am Abend spaziere ich durch einen kleinen Park und an einem ziehenden Fluss entlang finde ich nach Hause.

Andreas Jähnert, Schauspieler, Regisseur

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wir haben Strom. Wir haben Wasser. Wir haben Medizin. Die Müllabfuhr kommt auch regelmäßig vorbei. Jetzt brauchen wir eine respekt- und liebevoll Sprache miteinander, die uns vereint, um den Aufbruch zu wagen in ein neues Wofür.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Kunst an sich zu?

Aufpassen, dass sich der Weg, welcher sich jetzt schwierig darstellt, nicht in einer Sackgasse endet. Jeder soll etwas dazu beitragen können, um die auftauchenden Fragen, die in uns geweckt werden, nicht von anderen beantworten zu lassen, sondern wir selbst nachdenken und handeln sollten.
Das Theater, die Kunst überhaupt kann dazu konkretere Impulse senden, sogar noch mehr als die herkömmlichen Nachrichtenagenturen sowie die Leute im tief verankerten System, die heute noch lautstark bellen, weil sie nicht erkennen, oder an einem kaputten Instrument krampfhaft festhalten und uns Töne vorspielen, die längst nicht mehr einem gesunden liebevollen Menschenverstand helfen. Deswegen sollten wir die neugefundenen Töne im stillen Kulturbetrieb hervorbringen.

Was liest Du derzeit?

Das klingt ungewöhnlich, aber derzeit meine Träume.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

When I was 5 years old, my mother always told me that happiness was the key to life. When I went to school, they asked me what I wanted to be when I grew up. I wrote down ‚happy‘. They told me I didn’t understand the assignment, and I told them they didn’t understand life.

John Lennon

Vielen Dank für das Interview lieber Andreas, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Andreas Jähnert _Schauspieler und Regisseur

Andreas Jähnert (andreasjaehnert.com)

Foto_Christoph Skofic

7.1.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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