„Diskurs passiert ganz oft über die künstlerische Arbeit, weil sie Fakten und Emotionen verbinden kann“ Christine Teichmann, Schriftstellerin, Graz 24.1.2021

Liebe Christine, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Abgesehen davon, dass ich zu keinen Auftritten unterwegs bin, nicht viel anders als sonst. Ich verbringe viel zu viel Zeit mit Organisatorischem und komme dann oft gar nicht zu meiner „eigentlichen“ künstlerischen Arbeit. Die findet in erstaunlich kurzen „Anfällen“ statt, und rückblickend bin ich dann meist selbst ganz beeindruckt, in wie wenig Stunden dann zB ein neues Bühnenstück oder andere Texte entstehen. Was wahrscheinlich damit zu tun hat, dass ich die Ideen ständig mit mir herum trage und sie ohnehin Zeit zum Reifen brauchen. Möglichst täglich bin ich in der Natur unterwegs, wenn geht mit Schiern, aber da fehlt gerade ein Meter Schnee, um das von zu Hause aus gut machen zu können. Gar nicht wenig Zeit geht mit kulinarischer Versorgung der Familie, die großteils im Homeoffice ist, drauf, aber zum Glück bin ich nicht alleine zuständig, habe aber (siehe oben) die meiste frei einteilbare Zeit dafür. Ich bin in der luxuriösen Situation, ein eigenes Arbeitszimmer zu haben, was mir ungestörtes Schreiben ermöglicht. Das laute Proben von Bühnentexten untersage ich mir momentan, da warte ich, bis ich wieder Zeiten alleine zu Hause habe. Aber man kann mich beim Spazierengehen laut Texte vor mich hin sagend antreffen.

Christine Teichmann, Schnriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Eine komplette Überarbeitung der gesellschaftlichen Struktur, besonders was die Verteilung von Arbeit und Vermögen betrifft. Und ein Besinnen auf was wir wirklich brauchen und wie wir das für möglichst alle bewerkstelligen können, ohne mehr Ressourcen zu verbrauchen als uns zustehen.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich stelle immer wieder auch an mir selbst fest, dass man sich nicht einfach hinsetzen und über Dinge nachdenken kann. Für eine Auseinandersetzung mit den großen Themen braucht es Diskurs und der passiert ganz oft über die künstlerische Arbeit, weil sie Fakten und Emotionen verbinden kann und Einsichten in andere Realitäten als die eigene gewährt ohne zu belehren oder zu moralisieren.

Was liest Du derzeit?

Jetzt gerade Charles Dickens. Erstaunlich aktuell.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Einen Ausschnitt aus einer meiner Kabarettnummern:

Solange wir nichts für soziale Gerechtigkeit tun wollen, gehen uns die Argumente nicht aus, warum wir gegen die Umweltzerstörung nichts machen können.

Cjristine Teichmann, Schriftstellerin, Kabarettistin

Vielen Dank für das Interview liebe Christine, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literatur-, Kabarettprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Christine Teichmann, Schriftstellerin, Kabarettistin

Christine Teichmann

Foto_Porträt_Martin Schneider _ Kabarett_Kabarettfoto.

3.1.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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