„Bücher wirken Wunder“ Andrea Wolfmayr, Schriftstellerin_ Gleisdorf/Stm. 22.1.2021

Liebe Andrea, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Kaum anders als sonst. Ein langer Morgen, den ich zelebriere, mit Lesen, Gymnastik, Tarot und Schreiben bis in den Nachmittag. Zwischendurch Hausarbeit, Kochen, Spaziergänge mit meiner Tochter. Abends Schreiben, Fernsehen, Facebooken, Häkeln, Patiencen legen, Nachdenken. Was sich verändert hat zum Guten: weniger Unterbrechungen. Zum Schlechten: zerbröselnde Sicherheiten. Aber vielleicht gehört auch das zum Guten.

Andrea Wolfmayr, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Was TUN, irgendwas, das einem Freude macht, neben dem, was man beruflich oder familiär machen muss. Aushalten. Durchbeißen. Bewusst das erleben, was sich jetzt neu anfühlt, was einen vielleicht auch plagt und ärgert. Es annehmen und nicht verneinen, gar hassen. Die Nerven nicht verlieren. Geduld üben. Kleinräumiger, zugleich größer und weiter denken. Struktur in den Alltag bringen – und Kultur, Kunst, so viel wie möglich Farbe, Bilder, Musik. Mit lieben Menschen sein, wann immer es möglich ist. Genießen, Spüren, Achtung und Aufmerksamkeit für Kleinigkeiten, Details.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Die Botschaft verstehen, die uns von der Natur vermittelt wird. Wir SIND Natur, aber das haben wir vergessen oder verdrängt. Wir sind Sklaven der Zeit, Handlanger der Wirtschaft und des Profits geworden, ratlos Konsumsüchtige, nervös und ängstlich.

Wir müssen uns von diesen Abhängigkeiten befreien, mit viel Geduld und Hoffnung. Und dem Glauben daran, dass wir es schaffen können. Wir müssen dem Geist wieder Raum geben, die Seele fliegen lassen. Lesen hilft. Bücher wirken Wunder.

Was liest Du derzeit?

Ilka Piepgras (Hg.) Schreibtisch mit Aussicht. Schriftstellerinnen über ihr Schreiben, Piper Verlag

Barbara Stollberg-Rilinger: Maria Theresia. Die Kaiserin in ihrer Zeit, C.H.Beck

Catherine Gray: Vom unerwarteten Vergnügen, nüchtern zu sein. Frei und glücklich – ein Leben ohne Alkohol, mvg verlag

Und ich lese gerade meine eigenen Provinzromane (Weiße Mischung, Roter Spritzer, Ausnüchterung, Rückfall) noch einmal, da ich an einem fünften Teil arbeite und mein Personenapparat inzwischen ziemlich umfangreich geworden ist …

Wolfmayr, Andrea – Edition Keiper

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ein indianisches Sprichwort, das mich schon lebenslang begleitet:

Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

Vielen Dank für das Interview liebe Andrea, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Andrea Wolfmayr, Schriftstellerin

3.1.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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