„Es braucht eine Ästhetik des radikal Guten, der Berührung und von Sinn.“ Nina-Alexandra-Kupczyk- Regisseurin, Berlin 21.1.2021

Liebe Nina Alexandra, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Aufstehen, Mails beantworten beim Kaffee, Tagesnachrichten checken, Telefonate, Erledigung von Büroarbeiten, Literatur für Promotion lesen, recherchieren, an den Stückaufträgen arbeiten, Musik oder Repertoire hören, einkaufen mit Spaziergang oder Sport, kochen und neue Filme entdecken. Nachdenken und reflektieren.

Nina-Alexandra-Kupczyk- Regisseurin_Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Neue Perspektiven und Haltungen entwickeln auf Grundlage unserer kulturgeschichtlichen Evolution wie Aufklärung und Aufarbeitung unserer nationalsozialistischen Vergangenheit. Nachdenken über die Frage nach dem Menschenbild. Neuordnung von sozialer Gerechtigkeit und Frage nach Solidarität.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Kunst an sich zu?

Wesentlich ist das Nachdenken über eine Orientierung an welchen Werten. Was wollen und brauchen wir jetzt als Gesellschaft, wo liegt unser Unbehagen, und was sind unsere Utopien.

Bedenklich derzeit: Selbst während der zwei Weltkriege waren die Theater, Konzert-, Opern- und Operettenhäuser geöffnet. Jetzt wurden als erste Intuitionen die Theater gezwungen, trotz Hygienekonzepte zu schließen. Es geht derzeit dabei natürlich um Umsatzeinbußen und Berufsverbot, aber es geht auch um die Schließung und damit Wegfall eines Ortes, an dem kollektive Katharsis und Entlastung und Symbolisierung als gemeinschaftliches Live-Erleben von Unbewusstem und Bewusstem stattfindet.

Was das derzeitige Ausweichen auf rein digitale Formate mit uns machen wird, lässt sich für mich noch nicht absehen.

Kunst und Theater haben die Aufgabe, ein Nachdenken über die Orientierung zur guten Gestalt zu dynamisieren. Die Zeit der Beliebigkeit mancher Performances mit Statisten, die Flüchtlinge spielen, nachgeahmter Psychosen und abgerissener Plastik-Köpfe als Gesellschaftskritik ist vorbei.

Es braucht eine Ästhetik des radikal Guten, der Berührung und von Sinn.

Was liest Du derzeit?

Der Prozess Adolf Eichmann vor Gericht.

Geschichte der Psychiatrie: Krankheitslehren, Irrwege, Behandlungsformen

Welches Zitat, Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Theaterschaffende
Wir sind Gefühls- und Erlebens-Spezialisten,

wir zeigen These und Antithese der Arten des Seins/Variation und Utopie.

Die Synthese maßen wir uns nicht an, denn wir wissen nicht,

was richtig und falsch ist.

Wir sind Dienende im Prozess in Greifbares, bauen Gefäße für das Erleben,

das sich in Symbolen zeigen kann,

denn ein Symbol kommt aus der Tiefe der Seele und ist Klang,

der Wirkung erzeugt,

und die Wirkung lässt sich nicht messen,

sie bleibt dem Zuschauer überlassen.

Das ist Freiheit.

Es braucht kein Ich, nur Charakter.
(Nina Kupczyk)

Vielen Dank für das Interview liebe Nina Alexandra, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Nina-Alexandra-Kupczyk, Regisseurin_Schriftstellerin

Nina Kupczyk I Regie und Text

Foto_Max van der Rose

30.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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