„Dass die Literaturbranche nun nicht noch marktbeherrschter wird“ Kathrin Bach, Schriftstellerin, Berlin 20.1.2021

Liebe Kathrin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Sehr gleichförmig. So, dass es mir schwerfällt, die Tage auseinander zu halten. Ich habe noch nie so viel Zeit in meinem Zimmer verbracht. Die meiste Zeit sitze ich (zu krumm) an meinem Schreibtisch und arbeite: Ich habe (zum Glück?!) einen Vollzeitjob, der aus dem Home-Office gut funktioniert. Ich versuche einmal kurz rauszugehen, bevor es dunkel wird. Abends schaue ich oft Serien, lese und schreibe weniger, als ich gerne würde, später am Abend setze ich mich dann aber oft noch auf den Boden und schneide und klebe Collagen (aus Text und Bild) oder male. Das macht mich gerade am frohsten.

Kathrin Bach, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die anderen mitzudenken, trotz all der Vereinzelung. Keine Scheu davor zu haben, sich verletzlich zu zeigen und weich zu sein, sich selbst und anderen gegenüber. Merken, was man alles nicht braucht. Wachsam bleiben gegen jeden Funken queres Denken. Viel Schlaf & frische Luft. Und ruhig öfters mal sagen, dass man jemanden liebt.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich wünsche mir, dass die Literaturbranche nun nicht noch marktbeherrschter wird. Dass kleine und unabhängige Verlage überleben und weiterhin Literatur anbieten können, die etwas wagt. Und dass auch die großen Verlage mutig bleiben oder werden. Dass wir im Theater umso lauter klatschen. Dass wir Kunst machen, die berührt – nach all der Zeit, in der wir uns nach Berührungen gesehnt haben.

Was liest Du derzeit?

Eine Kombination aus Prosa (‚The Vanishing Half‘ von Brit Bennett), Lyrik (Christine Lavant) , Sachbuch (‚How to do nothing’ von Jenny Odell) und Tageszeitung (taz).

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

I believe in people who are nervous and whose hands shake a little. (Deborah Levy)

Vielen Dank für das Interview liebe Kathrin, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Kathrin Bach, Schriftstellerin

Foto_Sascha Kokot

30.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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