„Wir sind keine Nation von Kulturverliebten, wir sind eine Kulturnation!“ Alexander Braunshör, Schauspieler_Wien 18.1.2021

Lieber Alexander, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Gegen 7h werde ich in sanftem Flüsterton meines 4-jährigen Sohnes geweckt, der inständig um Löschen seines Durstes bittet. Bald darauf wacht meine 1-jährige Tochter auf und der Tag beginnt in rasantem Tempo. Seit Monaten liegt mein Hauptfokus bei der Familie. Dies ist in gewisser Weise durchaus ein exklusives Geschenk, andererseits auch sehr ermüdend. Den Beruf vermisse ich extrem. Pläne schmieden für die Zukunft fühlt sich an wie mit angezogener Handbremse. Jedoch lassen wir uns nicht unterkriegen und bleiben trotzdem dran.

Von Zeit zu Zeit widme ich mich dem elterlichen Garten, eine Leidenschaft, die für mich eine sehr sinnstiftende Bedeutung hat.

Alexander Braunshör, Schauspieler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Es ist wichtig den Optimismus nicht aufzugeben. Ein schönes Zitat, dass ich zuletzt gehört habe stammt von Erika Freeman, die zurzeit in Wien coronabedingt „gestrandet“ ist: „Ein Nein ist lediglich der Anfang vom Ja“.

Dieser Satz ist für mich eine kleine Erleichterung. Was also jetzt noch im Nein verhallt, wird möglicherweise bald im Ja zur Realität.

Wer weiß schon wie die Zukunft wird.

Ich wünsche mir einen demokratischen Prozess als Grundlage für die Gestaltung unserer Zukunft. Mit der Expertise von Soziologen, Ökonomen, Ökologen, Philosophen, etc. Ich fürchte allerdings, dieser Handlungsspielraum muss erst erkämpft werden. Die Machtverhältnisse liegen derzeit woanders.

Plutokratische Tendenzen sind eine große Gefahr für unsere Demokratien. Wenn uns nicht bald eine Reform unserer Wirtschaftssysteme gelingt, könnten hart erkämpfte Errungenschaften erodieren und es wird schwer sein dies aufzuhalten. Ich habe aber große Hoffnung, wenn ich an die ganz jungen Generationen denke. Hier politisieren sich viele Menschen und das stimmt mich sehr positiv.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei Dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Das Theater hat seine historische immerwährende Aufgabe der Spiegel zu sein. Den Diskurs anzukurbeln, ja auch zu bestimmen, wenn es Not tut und es tut Not. Wir sind keine Nation von Kulturverliebten, wir sind eine Kulturnation!

Reflektieren macht uns zu zivilisierten Menschen. Der Diskurs im politischen wie auch im Privaten lässt uns wachsen. Empathie wird im Theater stimuliert und diese Empathie ist der Gegenpol zu den selbstoptimierten Umfrageprofis im Teflonmantel, die derzeit unsere Geschicke bestimmen.

Was liest Du derzeit?

Dave Goulson

Insektenforscher und humorvoller Brite, dessen Leidenschaft dem Schutz der Diversität unserer Umwelt gilt. Sehr inspirierend!

Wildlife Gardening      Die Kunst, im eigenen Garten die Welt zu retten

Und sie fliegt doch      Eine kurze Geschichte der Hummel

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Life is not about finding yourself, or finding anything. Life is about creating yourself.”

Bob Dylan

Vielen Dank für das Interview lieber Alexander, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Alexander Braunshör_Schauspieler

Alexander Braunshoer – Home

Foto__Anna Stöcher

4.1.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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