„Die Frage wäre also: Wie kann solch ein solidarisches Schreiben in der Zukunft aussehen?“ Lene Albrecht, Schriftstellerin _ Berlin 14.1.2021

Liebe Lene, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ganz ähnlich wie sonst auch, nur dass mein Kind zuhause ist und betreut werden will. Glücklicherweise können mein Partner und ich die Zeit ziemlich flexibel und fair aufteilen. Ein guter Tag startet ohne Ablenkung mit dem Schreiben, aber das passiert zugegeben gerade sehr, sehr selten. Daneben mache ich außerdem die Arbeit für den Rundfunk, mit dem ich die Miete zahle.

Lene Albrecht, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Alle denkbaren Formen solidarischen Handelns wiederentdecken und neue erfinden. Das letzte Jahr hat sehr deutlich die Risse in der Gesellschaft offengelegt. Und mit Solidarität meine ich nicht nur „Maske auf“ (selbstverständlich), sondern auch beispielsweise mit Menschen, die rechter Gewalt ausgesetzt sind, in Deutschland und weltweit, Menschen, die unterbezahlte Care Arbeit leisten oder sich für die Umwelt einsetzen. Generell: wach sein und informiert bleiben, sich austauschen und in Empathie üben.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Auch im Schreiben denke ich gerade viel über Solidarität nach. Wir sind an einem Punkt, an dem es– aus absolut nachvollziehbaren Gründen – immer wichtiger wird, wer über wen schreibt und was verlegt wird. Die Frage der Repräsentation ist damit in der Gegenwartsliteratur angekommen und das ist toll, gleichzeitig frage ich mich, wie man vermeiden kann, dass alle nur noch „autistisch“ von sich selbst sprechen. Die Frage wäre also: Wie kann solch ein solidarisches Schreiben in der Zukunft aussehen?

Was liest Du derzeit?

Die Tagebücher von Susan Sontag (Ich schreibe, um herauszufinden, was ich denke, 1964 -1980) und „Funny Weather. Art in an Emergency“ von Olivia Laing – vor allem, weil mir gerade der Atem für einen längeren Text fehlt.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Hope doesn’t mean being blind to the state things are in, or uninterested in how they got that way.

O. Laing

Vielen Dank für das Interview liebe Lene, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Lene Albrecht_Schriftstellerin

Wir, im Fenster (aufbau-verlag.de)

Foto__Stefanie Kulisch

4.1.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s