„Kunst soll Freiheit sein, bereichern dürfen und wieder erzählen können“ Veronika Petrovic, Schauspielerin, Wien 5.1.2021

Liebe Veronika, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Meine Tage sind Abläufe von kleinen Routinen geworden. Da finden sich auch solche, die mich vor einem Jahr noch sehr belustigt hätten, z.B. das abendliche Aufräumen von Küche und Wohnzimmer. Alles an seinen Platz zu legen bzw. eine Ordnung in einem Jahr voller Unordnung herzustellen, empfinde ich als beruhigend und schön.

Spazieren, Malen, Sport und Kochen, Hörbücher und Schreiben sind Begleiter geworden, die einen Tag zum Alltag werden lassen.

Veronika Petrovic_Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Sich selbst und das Bewusstsein immer wieder ins Hier und Jetzt zu holen.

Gedanklich zu sehr in der Zukunft zu verharren oder in vergangenen Erlebnissen zu verweilen, führt früher oder später zu einem Ungleichgewicht der Gegenwart und des Moments, in dem man sich gerade befindet.

Tief durchatmen und sich dessen bewusst sein, dass Gedanken und Gefühle nicht in Stein gemeißelt sind. Wenn man traurig ist, wissen, dass in ein paar Minuten, Stunden, Tagen auch wieder die Sonne scheinen wird. Im Wohnzimmer zu „Build Me Up Buttercup“ zu tanzen wirkt hierbei z.B. Wunder.

Veronika Petrovic in „Lies mein Herz“ _ Briefwechsel Ingeborg Bachmann_Paul Celan _Theater Werk-X Petersplatz, 1010 Wien. 9.2.2019

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Kunst an sich zu?

Kunst soll Freiheit sein, bereichern dürfen und wieder erzählen können. Vor allem aber soll sie mutig sein.

Ich wünsche mir, dass wir als Gesellschaft reflektierter weitermachen als zuvor. Ich wünsche mir Menschen, die durch die Ruhe und den Aufschrei der vergangenen Monate begreifen, dass wir materiell gesehen weniger brauchen als wir dachten und gesellschaftlich gesehen bemerken, dass unsere Taten Einfluss auf Mitmenschen, Tiere und Natur haben und dass wir geben müssen wenn wir nehmen wollen.

Was liest Du derzeit?

„Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ingeborg Bachmann schrieb in einem ihrer Briefe:

„Ich werd gewiss nie mehr durch den Stadtpark gehen, ohne zu wissen, dass er die ganze Welt sein kann (…)“

Ich musste im Laufe dieses seltsamen Jahres oft an diesen Satz denken, weil die Worte so großartig daran erinnern, dass Schönheit überall zu finden ist. Ebenso Wohlgefühl und Schmerz.

Ich denke, dass wir wachsen können, indem wir den Kreislauf von Höhen und Tiefen zulassen und dabei das Atmen nicht vergessen.

In diesem Sinne noch ein abschließender Satz aus einem Navajo Gebet:

„May you walk in Beauty“

Veronika Petrovic in „Lies mein Herz“ nach dem Briefwechsel von Ingeborg Bachmann und Paul Celan. Umjubelte Uraufführung von Junges Theater Wien und Werk-X Petersplatz, Wien. 9.2.2019

Vielen Dank für das Interview liebe Veronika viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Veronika Petrovic, Schauspielerin

Veronika Petrovic

Foto_Porträt_Raphaela Wagner

Alle Fotos_Theater „Lies` mein Herz“ _Wien 2_2019_Walter Pobaschnig

„Lies mein Herz“ nach dem Briefwechsel von Ingeborg Bachmann und Paul Celan. Umjubelte Uraufführung von Junges Theater Wien und Werk-X Petersplatz, Wien. 9.2.2019 | Literatur outdoors – Worte sind Wege

3.1.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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