„Jeder Tag zählt und hat seine eigenen Plagen“ Konstantin Hanack, Schriftsteller, Heidelberg 3.1.2021

Lieber Konstantin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Seit einiger Zeit habe ich festgestellt, dass es einen Tag in der Woche gibt, an dem ich schlecht schlafe. Welcher Tag das ist und was die Bedingungen sind, dass er vor der Tür steht, kann ich nicht sagen. Wenn es aber soweit ist, bin ich bereit und weiß, was ich mit der Zeit anfangen muss, die ich wach liege, nämlich Gedichte schreiben, meist rhythmisierte. Das muss metabolische Gründe haben. Ich weiß nicht, welche es sind. Aber wenigstens lässt sich etwas Fruchtbares aus diesen Nächten mitnehmen.

Sonst verlaufen die Tage gleichförmig. Ich stehe auf, esse viel Frühstück, schreibe einen Stoß, dann, wenn ich nicht arbeiten muss, lege ich mich wieder hin, schreibe wieder etwas, trinke Kaffee, mache Sport, Mittag naht, gegen 14 Uhr schreibe ich wieder, lege mich wieder ihn, räume mein Gehirn auf, ab 16 Uhr sinkt die Leistungskurve, am Abend gebe ich entweder Deutschunterricht oder gehe vor die Tür. Montags kaufe ich für die Woche ein, meist bei Rewe oder Aldi.

Konstantin Hanack, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Vielleicht ist für alle wichtig, was auch vor Corona wichtig war, nämlich dass die Menschen Ziele haben, auf die sie zu leben und zu arbeiten können. Ich persönlich bin der Meinung, dass es am besten ist, sich auf das zu konzentrieren, was zuerst vor einem liegt. Langfristige Ziele scheinen mir weniger wichtig. Jeder Tag zählt und hat seine eigenen Plagen. Anders gesagt: Intuitives Leben ist gelungenes Leben und eine Intuition reicht nicht über sich selbst hinaus. Sie kommt, du musst nach ihr leben! Dann kommt die nächste, du folgst auch ihr! Dann wieder eine und immer so weiter…

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich denke, persönlich und privat bleibt die Funktion der Literatur, die Gesundheit zu erhalten. Gesellschaftlich sollte sie die Solidarität stärken und auf soziale Ungleichheit aufmerksam machen. Corona dürfte die Leser und Leserinnen, die Literatur und Kunst konsumieren, dafür sensibilisiert haben.

Was liest Du derzeit?

Zurzeit lese ich Goethes Briefe an Frau von Stein. Mein frischester, aktuellster Lesegedanke ist, dass Goethe die „Eselei“ seines Jugendfreundes Lenz, von der er auch hier schreibt, nicht negativ gemeint haben muss, sondern vielleicht wohlwollend. Folglich wäre sie nicht der Grund, weshalb Lenz im Dezember 1776 Weimar verlässt, wie das in der Germanistik als „Wahrheit“ behandelt wird.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Die Liebe gibt mir alles und wo die nicht ist, dresch ich Stroh. – Goethe an Charlotte von Stein

Vielen Dank für das Interview lieber Konstantin, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Konstantin Hanack_Schriftsteller

Foto_privat.

2.1.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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