„Was ist wichtig für mich? Wie will ich leben? Was könnte sich verändern?“ Laura Vogt, Schriftstellerin _ St.Gallen/Schweiz _ 2.1.2021

Liebe Laura, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Eigentlich gar nicht so anders wie vor der Pandemie. Ich arbeite, wann immer es geht, halbtags in meinem Atelier an meinen Texten. Verbringe Zeit mit meinen Kindern. Gehe meinen Geldjobs nach (die zugegebenermassen etwas spärlicher geworden sind, vor allem die Lesungen aus meinem zweiten Roman, der im Frühjahr erschien, leider). Spaziere. Treffe meine Allernächsten. Es ist gut, dass wir in einer kleinen Genossenschaft leben, wo Austausch gar nicht zu vermeiden ist, unter den Kindern wie unter den Erwachsenen. Wir haben Blick auf den Wald und das Dorf ist nah.

Laura Vogt, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich denke mal: Ruhe bewahren. So gut es geht. Andere Dinge sehen: Den Raureif an den nackten Kirschbäumen. Den Jogger, der nach der steilen Treppe einen Freudenschrei macht. Das Lesen auch! Und sich fragen, jede*r für sich: Was ist wichtig für mich? Wie will ich leben? War mein Leben vor der Pandemie eigentlich so gestaltet, wie es zu mir passt? Was könnte sich verändern? Was fehlt mir? Und wie geht es den Menschen um mich herum?

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Auch wenn es etwas abgeschmackt tönt: Es wäre gut, würde der Mensch sich wieder etwas mehr darauf besinnen, was er tatsächlich braucht. Dazu gehört meiner Ansicht nach die Kunst in all ihren Facetten, und für mich auf jeden Fall an oberster Stelle die Literatur. Durch sie lernt man so viel! Über Unbekanntes und Bekanntes, aber immer wieder anders gedacht, neu betrachtet, durch die jeweiligen Rhythmen und Sprachen, die tragen, und einem nach der Lektüre leicht verschoben zurücklassen, im schönsten Sinne.

Was liest Du derzeit?

Ich habe vor Kurzem Dorothee Elmigers „Aus der Zuckerfabrik“ und Mely Kiyaks „frausein“ beendet. Eine tolle Kombination! Seit Monaten lese ich ausserdem immer wieder Brocken von Susan Sontag. Und  „Warum Frauen im Sozialismus besseren Sex haben“ liegt auf meinem Schreibtisch.

Nun bin auf der Suche nach einem Roman, den ich lesen mag, was gar nicht immer so einfach ist. Neben meinem Bett liegen: Annie Erneaux „Die Jahre“; John Burnside „Lügen über meinen Vater“; Chris Kraus „I love Dick“ (wieder!); Rachel Cusk „In Transit“ (wieder!), und anderes mehr; ausserdem der Anfang des Manuskripts meines Freundes. Eine Zeitung auch.

Bisher konnte ich  mich noch nicht entscheiden, was es als nächstes sein soll.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Ich denke, dass Denken eine Art Fühlen und Fühlen eine Art Denken ist“, sagte Susan Sontag mal.
Die Gegenpole ineinander übergehen und verwachsen lassen. Grenzen verschwimmen sehen. Wegkommen vom schwarz-weiss. Das ist schwierig, weil wir’s so gewohnt sind, im „entweder – oder“ zu denken. Aber darin, in den Übergängen, liegt eine große Kraft, finde ich!

Vielen Dank für das Interview liebe Laura, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Laura Vogt, Schriftstellerin

Laura Vogt – Autorin

Foto_Amanda Züst

28.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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