„Oft bin ich in die Arbeit so vertieft, dass ich ganz aufs Essen vergesse“ Edwin Wiegele, Künstler _ Haimburg/Kärnten _ 8.12.2020

Lieber Edwin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Nachdem ich ein Nachtarbeiter bin, schlafe ich meist sehr lange, versuche zu relaxen, keine Hektik aufkommen zu lassen. Das Telefon und die Zeitung bleiben bis zum Zeitpunkt, wo ich mein „festes, gesundes Frühstück“, das in der Herstellung schon eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt, unberührt. Und dann sind da noch meine vier Katzen, das Essgeschirr muss mehrfach gereinigt werden, das individuelle Frühstück jeder Einzelnen soll abgestimmt sein. Katzen sind so verschiedenartig in ihrem Wesen, das dauert oft sehr lange, bis man sämtliche Aktionen auch richtig deuten kann.

Nachdem der herrliche Espresso genussvoll die Laune gehoben hat, geht es täglich in mein Stamm Café, das Italiener führen, die einen hervorragenden Cappuccino servieren. In Völkermarkt gibt es mittwochs und Freitag den großen Markt, wo man Bioprodukte aus der ländlichen Region kaufen kann. Diese Möglichkeit nutze ich gerne. Wichtig für mein Energiereservoir ist die Angewohnheit, nach dem Essen den Wecker auf 20 Minuten zu stellen und dahin zu dösen. Die Akkus scheinen aufgeladen und ich beginne an verschiedenen Projekten zu arbeiten. Meist sehr intensiv und gleich bis nach Mitternacht. Das können spannende Filmprojekte, Kunstprojekte im Bereich Grafik, Malerei, aber auch Musik sein. Jede dieser Herausforderungen macht viel Freude, vor allem wenn man den Entstehungsprozess verfolgt und schön langsam dem Ziel näherkommt. Ich bin aber auch sehr selbstkritisch und stelle nach vielen Analysen einiges in Frage und ändere es. Oft bin ich in die Arbeit so vertieft, dass ich ganz aufs Essen vergesse.

Prof.Edwin Wiegele, Künstler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Für uns alle ist es jetzt in der Situation der Pandemie wichtig, nicht gleichgültig alles hinzunehmen, die Sache wirklich ernst zu nehmen, Covid 19 nicht zu verharmlosen, die „Leugner“ sollen sich mal die dramatischen Situationen in den Krankenhäusern, auf den Intensivstationen anschauen.

Ich selbst bin gerade nach einer Covid 19 positiv Testung vor 2 Tagen aus der Quarantäne gekommen, hatte zwar nur leichte Symptome, aber das Virus ist so aggressiv, ich merke, dass Nachfolgeschäden da sind, den Körper angreift, habe Muskelschmerzen und fühle mich nicht fit.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich glaube, dass in der Isolation, bedingt durch die Lockdown Verordnungen, viele Kulturschaffenden aus allen Bereichen, noch mehr „in medias res“ gegangen sind. Eine neue Art der Verinnerlichung vielleicht gefunden haben. Für meine kreative Arbeit, die Abschottung, haben diese Lockdowns eigentlich viel Positives gebracht, es war auch schön in der Zeit der Quarantäne zu wissen, dass Dich jetzt 10 Tage kein Mensch außer der Pandemiearzt besuchen kommt. Die letzten drei Jahre waren bei mir durch zwei Krebserkrankungen recht kräfteraubend, man stellt sich oft die Frage, wirst Du sterben, wirst Du die Operation überleben, wird die Bestrahlung erfolgreich sein. Wirst Du gewisse Projekte zu Ende führen können uvm.? Ich habe für mich den Neubeginn geschafft, breche zu neuen Ufern auf, versuche aus allen negativen Erfahrungen in einer Art von „Umkehrschwung“ Positives zu erfahren. Die Rolle der Literatur und der Kunst an sich kann Wesentliches vermitteln, indem sie auch kritisch gesellschaftliche Probleme aufzeigt, um Albert Einstein zu zitieren „Wer der Menge folgt, wird nie viel weiterkommen als die Menge selbst. Wer alleine geht, wird sich an Orten wiederfinden, an denen nie zuvor jemand war“.

Was liest Du derzeit?

„Was die Seele krank macht und was sie heilt“ Thomas Schäfer

„Wenn der Körper Signale gibt“ Psychotherapeutische Arbeit Bert Hellingers

Fachliteratur zu den Themen: Regiearbeit, Drehbuch, Filmschnitt,

Musiktheorie, Gesangstechnik uvm.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ein Vogel hat niemals Angst davor, dass der Ast unter ihm brechen könnte. Nicht, weil er dem Ast vertraut, sondern seinen eigenen Flügeln.

Vielen Dank für das Interview lieber Edwin viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Edwin Wiegele, Künstler

Edwin Wiegele: SaferSurf active [e7mm2zfg] (edwin-wiegele.at)

Foto_Christian Brandstätter.

8.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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