„KünstlerInnen und Kulturschaffende brauchen in dieser Krise greifbare Perspektiven“ Viola Hammer, Musikerin _ Graz _ 4.12.2020

Liebe Viola, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Im Moment versuche ich, eine gewisse Tagesstruktur aufrecht zu erhalten, um im Schaffensprozess zu bleiben. Morgens kümmere ich mich mit einer Tasse Kaffee um Organisatorisches und Termine, sofern sich diese derzeit planen lassen. Danach setze ich mich ans Klavier und widme mich der Musik. Ich arbeite an Kompositionen und neuen Ideen, was mir zum einen erlaubt, im Moment zu verweilen und die Gedanken an Zukünftiges und Vergangenes für diese Zeit auszublenden. Zum anderen fühlt sich diese kreative Arbeit sehr sinngebend an und hat geradezu therapeutische Wirkung. Die restliche Zeit ist mit alltäglichen Freuden und Krisen des Lebens ausreichend ausgefüllt.

Viola Hammer, Musikerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich glaube, eine große Herausforderung ist mitunter das Gefühl der Ohnmacht. Wir befinden uns in einer schwebenden Ungewissheit, die wie ein Herausfallen aus der gewohnten Welt erlebt wird. Eine  Akzeptanz dieser gegenwärtigen Situation ist nicht immer leicht, hilft aber, damit umzugehen. Außerdem werden wir durch die gesellschaftlichen Einschränkungen wieder mehr auf uns selbst zurückgeworfen, was eine bewusste Auseinandersetzung mit sich selbst, den eigenen Bedürfnissen und generell dem eigenen Leben fast unumgänglich macht. Ich denke, wenn man sich traut, darauf einen genaueren Blick zu werfen, kann das auch einem solidarischen Miteinander zu Gute kommen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Musik und Kunst generell spiegeln immer die Gesellschaft und sind eine Form von Ausdruck und Eindruck zur selben Zeit. Sie ermöglichen, Dinge von außen zu betrachten, kritisch zu hinterfragen und aus neuen Blickwinkeln zu sehen. Sie führen zur Interaktion, zum gegenseitigen Austausch und haben neben dem Bildungsauftrag einen hohen sozialen Wert. Ich denke, das Bewusstsein hierfür muss sich in Politik und Gesellschaft verschärfen. KünstlerInnen und Kulturschaffende brauchen in dieser Krise greifbare Perspektiven.

Was liest Du derzeit?

„Das Unbehagen in der Kultur“ von Sigmund Freud.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Wir werden die Natur nie vollkommen beherrschen; unser Organismus, selbst ein Stück dieser Natur, wird immer ein vergängliches, in Anpassung und Leistung beschränktes Gebilde bleiben.

Viola Hammer, Musikerin

Vielen Dank für das Interview liebe Viola, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Viola Hammer, Pianist/ Composer/ Arranger

https://www.violahammer.com/

Fotos_Hanna Fasching

1.11.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s