„Und was die Bedeutung von Literatur betrifft: Es wird eng“ Karsten Krampitz, Schriftsteller_Berlin 3.12.2020

Lieber Karsten, sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Gegen 7 Uhr mache ich mir den ersten Kaffee, lese eine Stunde. Frühstück. Und dann versuche ich (seit dem Sommer, Anm.) erst mindestens zwei Stunden am neuen Roman zu schreiben und danach meinen Berg Schreibschulden abzutragen:

  • ein Theaterstück für VADA in Klagenfurt.
  • für den Deutschlandfunk einen 20minütigen Sonntagsspaziergang zum Thema: Die Kärntner Seele.
  • ebenso für den Deutschlandfunk, jedoch für die Redaktion „Religion und Gesellschaft“, einen 20minütigen Beitrag über Luthers Judenfeindschaft im Kontext seiner Rechtfertigung auf dem Reichstag zu Worms am 16. April 1521, unter besonderer Berücksichtigung von Leben und Werk des in Auschwitz ermordeten Rabbiners Reinhold Lewin, dessen Dissertation aus dem Jahr 1911 den Titel trägt: „Luthers Stellung zu den Juden“
  • jeden Monat zwei Texte für die Tageszeitung Neues Deutschland und
  • ab September einmal monatlich in der Wochenzeitung Freitag meine Kolumne „Sucht & Ordnung“.

Ich habe also keine Zeit zum Ausfüllen irgendwelcher Fragebögen. Den Rest des Tages verbringe ich mit meiner Liebsten oder Kneipe bei mir im Haus, manchmal auch beides.

Karsten Krampitz _ Foto _ Nane Diel

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

  • Die Freiheit und den Sozialstaat gegen Rechts verteidigen.
  • Europa gerecht gestalten und danach die Welt. Und nicht zuletzt:
  • Klimakatastrophe abwenden.

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur zu?

Ich stehe vor keinem Aufbruch und keinem Neubeginn. Allenfalls mache ich anders weiter. Und was die Bedeutung von Literatur betrifft: Es wird eng. Die bürgerliche Mitte schafft gerade das generische Maskulinum ab – mit der bürgerlichen Literatur wird es dann in Zukunft nicht weit her sein. Mit dem Gendersternchen kann mensch keine Gedichte, keine Satire und auch keine Romane schreiben. Nur Flugblätter und Verordnungen.

 

Was liest Du derzeit?

  • Erwin Ringel: Die Kärntner Seele.
  • Ernst Bloch: Das Prinzip Hoffnung.

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Bis heute habe ich immer empfunden, dass nichts mir mehr schadet, als wenn jemand auf dem Bahnhof auf mich wartet.“ Karl Marx (am 4. Juni 1982 in einem Brief an seine Tochter Jenny)

Vielen Dank für das Interview lieber Karsten, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literatur-, Textprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Karsten Krampitz, Schriftsteller

Foto_Nane Diel

24.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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