„Sich der Ungleichheiten und Diskriminierungen bewusst zu werden und dagegen die Stimme zu erheben“ Ilse Kilic_Schriftstellerin _ Wien _ 3.12.2020

Liebe Ilse, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Manches ist gleichgeblieben. Aufstehen, Kaffee trinken mit meinem Partner, Dinge am PC erledigen, sich an die Arbeit machen.
Anderes, wie zb. Lesungen, Auftritte, Organisationsarbeiten, Kommunikation ist anders geworden bzw. weniger geworden. Lesungen sind ja viele ausgefallen. Damit natürlich auch Einnahmen.
Und wir, also das fröhliche Wohnzimmer, betreiben ja das Glücksschweinmuseum, das auch ein Ort der Begegnungen ist, das war natürlich auch geschlossen und hat jetzt wieder offen, jetzt mal einen Tag in der Woche, mit Maske.

Zugleich ist es eben schon eine psychische Belastung, so eine Ausnahmesituation, in der viele Menschen an ihre Grenzen kommen, sei es gesundheitlich oder existentiell und wo sich gesellschaftliche Probleme verstärkt zeigen.

Ich habe versucht, ganz normal weiterzuschreiben, aber ich habe schon gemerkt, dass ich etwas gebremst war und bin.


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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Sich der Ungleichheiten und Diskriminierungen bewusst zu werden und dagegen die Stimme zu erheben.

Die eigene Situation zu reflektieren.

Das Gesundheitssystem zu verbessern.

 

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Sie ist eine Möglichkeit der Wahrnehmung. Eine Möglichkeit der Kommunikation. Eine Möglichkeit, die Welt zu erleben und zu verändern.

 

 

Was liest Du derzeit?

Ocean Vuong: Nachthimmel mit Austrittswunden.

Eleonore Weber: In den Sätzen

Egon Christian Leitner: Des Menschen Herz (Sozialstaatsroman)

(Das ist Teil des Projekts, das er beim Bachmannpreis vorgestellt hat, habe mir heuer den Bachmannpreis nach Jahren wieder angesehen.)

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„… ein verletztes oder zorniges Gefühl in sich zu haben ist sehr häufig im normalen Lebenˮ (aus: Gertrude Stein: „The Making of Americansˮ.)

„… die Mutlosigkeit ist der Beweis dafür, dass man auch Mut haben kannˮ (aus: Eduardo Galeano: Geschichtenjäger.)

 

 

Vielen Dank für das Interview liebe Ilse, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen vielfältigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Ilse Kilic, Schriftstellerin_

Das fröhlicheWohnzimmer   https://www.dfw.at/

 

Foto_Fritz Widhalm_Lesung Amerlinghaus Wien_2017

 

29.7.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

 

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