„Die Menschheit ist hoch auf ihre Maschinerie geschnallt und fürchtet um den Zustand ihrer Fesseln“ Christian Schreibmüller, Schriftsteller _ Wien, 2.12.2020

Lieber Christian, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Tagesablauf wie immer seit Juni 2019. Schlafe, lese, schreibe zuhause, fahre nachmittags in mein Schreibbüro, arbeite dort weiter, organisiere für 2 Vereine. Lesungsreihen,  Poetry Slams, Buch-Edition. Koche auch mal dort, telefoniere, erledige Post, sehe ZiB, plane Ausstellungen und Lyrikbände und fahre um 23.30 nach Hause und gehe ins Bett. Manchmal gehe in charmanter Gesellschaft essen. Denn im chaotischen Büro und ebensolcher Wohnung empfange ich nicht.

Christian Schreibmüller _ Foto _ Robert Maybach

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Besonders wichtig wären entschlossene Maßnahmen gegen die Seuche. Wir Kreativen, angewiesen auf öffentliche Veranstaltungen, können nicht dulden, dass diese Seuche/Misere sich noch vergrößert und jahrelang hinzieht, aufgrund schlapper populistischer, nicht ausreichender Gegenmaßnahmen.

 

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Literatur, der Kunst an sich zu?

Der Aufbruch und Neubeginn wird langsamer vonstatten gehen als gedacht. Damit wir auf einen status quo ante gelangen, muss die Seuche entschlossen bekämpft werden. Nach dem verfrühten Abbruch des Lockdown sehe ich kaum Licht am Ende des Tunnels.

Beispiel: Wir müssen nun, vor Veranstaltungen eruieren, wie viel Publikum kommen wird. Bei Lesungen und Poetry Slams kriege ich nie solch exakte Zusagen zusammen. Und in einem Saal mit 60 Plätzen, kriege ich, bei Einhaltung der Abstandsregeln, grade mal die Slammer, die Moderatorin und den Veranstalter hinein. Und das ändert sich nicht, ehe wir die Neuinfektionen auf praktisch Null drücken.

 

 

Was liest Du gerade?

Soeben habe ich zu Ende gelesen: Leo Tolstoi: Krieg und Frieden. (Passt!) Und Andrej Szczypiorskij: Die schöne Frau Seidenmann. (Handelt ebenfalls von Krieg, Schuld und dem Verhältnis mehrerer Völker zueinander)

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Mir fällt ein Satz ein, den ich vor 40 Jahren schrieb, und der stündlich aktueller wird: „Die Menschheit ist hoch auf ihre Maschinerie geschnallt und fürchtet um den Zustand ihrer Fesseln.“

 

 

Vielen Dank für das Interview lieber Christian, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Christian Schreibmüller, Schriftsteller

https://wienzeile.cc/autor/441/

Foto_Robert Maybach

 

22.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

 

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