„Jeder verträgt eine andere Dosis an Informationen, Nachrichten und Kommunikation. Wer das nicht im Griff hat, wird erschlagen“ Elke Steiner, Schriftstellerin _ Wien 1.12.2020

Liebe Elke, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Oft wache ich auf und überlege, ob ich mich zweiteilen kann. Dann komme ich drauf, dass es nicht geht und ich nur eins nach dem anderen erledigen kann. Falls es ein Tag mit Brotberufs-Terminen ist, versuche ich, mich darauf zu konzentrieren. Was zwischendurch an Texten und Ideen auftaucht, kritzle ich überall hin, spreche ins Handy usw. Wie ich das alles wieder finde, ist eine andere Sache. Dann gibt es Tage, an denen kann ich mich ganz auf die Literatur konzentriere. Während des Lockdowns gab es ausschließlich solche Tage, das hat der Arbeit an meinem zweiten Roman sehr gutgetan. Und es haben sich interessante Projekte mit anderen Künstlerinnen ergeben. Auch online merkt man sofort, ob die Chemie stimmt. Ich schreibe gerne in den Wiener Kaffeehäusern, was ich derzeit aber vermeide. Wenn der Sommer zu Ende geht, konsumiere ich noch so viele Outdoor-Veranstaltungen wie möglich, denn im Herbst und Winter ziehe ich mich wieder zurück. Schafwollsocken und ein bisschen Totstellen – das tut mir immer ganz gut.

elke

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Da gibt es viel. Spontan fällt mir ein: Achtsamkeit. Auch im Umgang mit den sozialen Medien. Wir dürfen das Filtern nicht den anderen überlassen. Jeder verträgt eine andere Dosis an Informationen, Nachrichten und Kommunikation. Wer das nicht im Griff hat, wird erschlagen. Hier helfe ich mir eher mit Wandersocken und Bewegung.

 

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Kunst und Literatur lassen uns von der einen Wirklichkeit in die andere springen, dadurch können wir verschiedene Qualitäten in uns selbst wahrnehmen. Sie ist eine Art Selbsterweiterung. Vielleicht hilft das im Umgang miteinander, das weiß ich nicht genau, aber ich glaube daran.

 

 

Was liest Du derzeit?

J.M. Coetzee „Szenen aus einem Provinzleben“

Für zwischendurch kugeln im ganzen Haus Literaturzeitschriften und Lyrikbände herum

Für unterwegs am eReader: Michael Köhlmeiers Sagen des klassischen Altertums

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

und wenn

dir kalt

ist, häute

mich.

 

Ein anonymer Aphorismus aus der Literaturzeitschrift JENNY (sehr ansprechend, auf Postkarten gedruckt), die ich mir um zwei Euro aus dem Automaten im MQ gezogen habe.

 

 

Vielen Dank für das Interview liebe Elke, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Elke Steiner,  Schriftstellerin, Künstlerin

https://www.elkesteiner.at/

Foto: Florian C.A.Czech

 

30.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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