Lieber Alexander, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Im Herbst zunächst wesentlich belebter als noch vor dem Sommer, dies freute mich sehr. Für künstlerische und pädagogische Settings gilt aber leider immer noch der Abstand und das leidige Maskentragen. Das ist gerade im Theaterbereich schon einschränkend. Wir haben zwar gelernt, damit zu leben und zu arbeiten, aber es fällt schon etwas weg, wenn man ständig im Hinterkopf hat, dass man sich nicht zu nahe kommen darf. Dafür haben sich gerade vor dem Sommer auch schöne Möglichkeiten ergeben, im digitalen Raum miteinander zu arbeiten. Ich habe zum Beispiel einige Improvisationsmethoden und -spiele zoomgerecht gemacht und damit auch schöne und spannende Stunden vor dem Bildschirm verbracht.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Hausverstand. Wir müssen einfach unseren eigenen Verstand verwenden, wenn es um das Handeln in Corona-Zeiten geht. Es gibt viele Richtlinien, die ständig wechseln, überall anders gelebt werden und unser Leben stark einschränken. Ich denke, dass es gerade jetzt wichtig ist, selbst nachzudenken, wie man andere gefährdet und ob man das überhaupt tut. Dann kann uns nichts passieren.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Schauspiel, Theater, der Kunst an sich zu?
Die Kunst hatte immer die Aufgabe – also vor allem in Demokratien – die Gesellschaft und ihr Tun zu hinterfragen, kritisch zu begleiten und auch Impulse für Neues zu geben. Das hat sie in den letzten Jahrtausenden immer wieder getan und das muss sie auch heute tun.
Was liest Du derzeit?
Gestern habe ich mit Erich Hackls „Hochzeit von Auschwitz“ begonnen. Aber sonst gerade viel wissenschaftliche Literatur zum Thema Improvisation, weil ich neben dem künstlerischen Schaffen auch noch an meiner Dissertation arbeite.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Alles wird gut. Und wenn nicht, dann doch.“
Aus der Musicalfassung „Der kleine Prinz“, die der Autor Norbert Holoubek nach dem Buch von Antoine de Saint-Exupéry geschrieben hat, wobei er dieses Zitat aber woanders gefladert hat, sich aber – auf Nachfrage – nicht mehr so genau erinnert, wo das war.
Vielen Dank für das Interview lieber Alexander, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an KünstlerInnen:
Alexander Hoffelner_Schauspieler, Regisseur, Autor, Theaterpädagoge
Foto_ Anna Petik _ 2020
13.10.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.