„Petitionen unterschreiben. Machen. Kultur darf nicht still werden“ Zuzana Cuker, Schauspielerin_Wien 21.11.2020

Liebe Zuzana, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich nehme mir zurzeit viel Zeit für mich. Einen wirklichen Ablauf hab ich nicht, ich versuche zurzeit viel zu lesen, mich selbst zu finden, neue Sachen zu lernen, Sport zu machen, zu meditieren. Einfach jeden Tag aufzustehen, da zu sein und mich selbst mehr zu spüren.

Jedoch nehme ich mir jeden Tag eine kleine Sache vor, die ich erledige.

Im Gegensatz zum Sommer, in dem ich so eingedeckt mit einer Produktion war, nehme ich mir jetzt auch heraus ein bisschen Urlaub mit mir selbst zu machen und eigene Projekte, die mir am Herzen liegen, anzugehen. Ganz ohne Druck.

Zuzana Cuker, Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Nicht aufzugeben. Es war vorher schon schwer, als freischaffende Künstlerin.

Durch die aktuelle Situation ist es derzeit noch um einiges schwieriger. Gerade wenn man nicht an einem der staatlichen Theater arbeitet. Es ist besonders schwierig, weil Off-Produktionen und kleine Theater einfach nicht das notwendige Budget haben, um solch eine Krise zu überstehen. Mir wurden viele Jobs abgesagt. Ich glaube zurzeit geht es allen so. Wir müssen uns gegenseitig unterstützen und Solidarität zeigen. Petitionen unterschreiben. Machen. Kultur darf nicht still werden.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Was mich besonders ärgert, und schon immer geärgert hat, ist, das der Bereich Bühne oft als Hobby abgestempelt wird, und auch wurde. Ich finde Theater hat einen Bildungsauftrag. Ich bin mit Theater aufgewachsen, und es hat stark mein kritisches Denken und meine emotionale Intelligenz geprägt. Den Umgang mit Situationen, meine Wahrnehmung. Sich in die Welt einer anderen Figur zu versetzen, prägt die Empathie. Ich glaube wir stehen vor einer sehr schwierigen Zeit in der der Kapitalismus die Kunst niederschmettert. Mich persönlich beschäftigt das sehr.

In meiner Sommerproduktion spielten wir immersives, interaktives Theater mit MNS . Im Jahr 1914. Anfangs dachte ich das wäre ein schlechter Scherz. Aber ich fand das war eine Interessante Herausforderung und hat dann irgendwo auch total gepasst.

Wir hatten einen Corona- Beauftragten Arzt,  ein ausgearbeitetes Hygienekonzept, und es hat funktioniert.

Was liest Du derzeit?

Stefanie Sargnagels Buch „Dicht“ .

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Das war eben, aber das hier ist jetzt, und dann ist dieses Jetzt vorbei, und es ist ein neues Jetzt.“

(Siri Hustvedt, „Was ich liebte“)

Vielen Dank für das Interview liebe Zuzana, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Zuzana Cuker, Schauspielerin

Foto_Raoul Bruck

21.11.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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